Der Meister des Mainstreams ist zurück und man mag von Christopher Nolan halten was man will, aber er weiß interessante Ideen in massentauglichen Filme zu verpacken. So auch in seinem neuen Leinwand-Spektakel INTERSTELLAR, in welchem er sich erneut seiner kinematographischen Lieblingskomponente widmet – der Zeit.

Die Zeit der Menschen neigt sich in einer nicht näher definierten Zukunft dem Ende entgegen, Mutter Erde hat ausgedient. Die extrem hohe Konzentration an Kohlenstoffdioxid in der Luft beschert den Menschen einen unschönen Reizhusten, Mais ist das letzte anbaubare aller Getreidesorten und riesige Sandstürme fegen übers Land. In einer geheimen Forschungseinrichtung tüftelt die NASA an einem Rettungsplan, in dem einerseits ein Wurmloch in eine andere Galaxie eine Rolle spielt, andererseits der Farmer und Ex-Pilot Cooper (Matthew McConaughey) zum Anführer der geradezu aussichtslosen Mission gemacht wird. Cooper trennt sich von seinen beiden Kindern und startet auf eine Reise ins Ungewisse.

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer von Captain Cooper und seiner Crew, einen neuen Planeten für die aussterbende Spezies Mensch zu finden. INTERSTELLAR startet als eine Mischung aus seichtem Endzeitfilm und vorhersehbarem Familiendrama, doch sobald Nolan seine Protagonisten durch den Orbit hinein ins All schickt, legt der Regisseur alle Karten auf den Tisch. Wurmlöcher, schwarze Löcher, String- und Relativitätstheorie, fremde Planeten, Singularität und das Spiel mit der Gravitation sind fortan die großen Themen, verpackt in fantastische Bilder und großartige Performances von Matthew McConaughey und Anne Hathaway. Doch wer ein SciFi-Spektakel à la ARMAGEDDON oder eine kosmische Achterbahnfahrt wie in GRAVITY erwartet wird enttäuscht. INTERSTELLAR wirkt wie die filmische Tagebuch-Adaption eines Weltraumentdeckers. Vollgestopft mit faszinierenden Szenen und interessanter Technik wird relativ schnell deutlich, wohin genau 165 Millionen Dollar Produktionsbudget gewandert sind.

Mindestens genauso fix stellt sich heraus, dass Nolan noch immer nicht gelernt hat zwischenmenschliche Gefühle zu kreieren. So versucht er krampfhaft sogar gleich zwei Vater-Tochter-Beziehungen mit dem Holzhammer auf die Leinwand zu klöppeln, was einigermaßen durch das versammelte schauspielerische Talent kompensiert werden kann. Trotzdem liegt auch hier das Schicksal der Menschheit in den Händen eines Mannes, der sich scheinbar zwischen Liebe und Verstand entscheiden muss. Schlussendlich ist INTERSTELLAR aufgebläht mit überkandideltem Melodram, ungenießbar und deshalb nutzlos, sodass sich der Zuschauer zu sehr mit Theorien und Logiken seines filmischen Universums beschäftigt. Doch so clever und smart das Drehbuch auch vorzugeben versucht, am Ende regiert der Edelkitsch und Nolan macht es sich sehr einfach sein monumentales Machwerk zu beenden.

INTERSTELLAR ist visuell überwältigend inszeniert, aber kühl und leblos wie seine erschaffenen Planeten. Sollte im Stile von 2001: A SPACE ODYSSEY eine Oper komponiert werden, so ist die Ouvertüre uninteressant, der Hauptakt bildschön und der Schlussteil die sprichwörtliche Katastrophe. Insgesamt kein Totalausfall, stellenweise berauschend und im Kino (vor allem im IMAX) imposant, aber nicht das erhoffte und erhypte Meisterstück.

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