Zack Snyder, wer war das noch mal? Achja, dieser talentierte Jungregisseur, der mit Dawn of the Dead, 300 und Watchmen erst kürzlich drei großartige, popkulturelle Meisterwerke der Gegenwart schuf. Das wäre aber interessant, wenn man wüsste, was so ein begabter Mann treibt.

Wenn, sagen wir, sein guter Kumpel Steve Shibuya zu Besuch kommt. Vielleicht liegen die Beiden dann ganz entspannt am Pool und rauchen lustige Zigaretten, schlucken Unmengen von gesunden Vitaminpillen und schieben Mehl zu dünnen Linien zusammen. Und wenn die Sonne dann so richtig hoch am Himmel steht, dann sagt Zack: „Poah, Mann, wir müssen unbedingt mal so einen Film machen, so mit fünf heißen Schnecken in kurzen Röckchen und die lassen wir dann in den Krieg ziehen, gegen so Zombie-Nazis.“ Und Steve lacht sich kaputt und fügt hinzu: „Genau. Und untote Samurais, riesige Fantasy-Drachen und Terminator-Roboter. Scheiße, Mann, das ist gut. Aber wer würde so einen Riesenschmu bloß produzieren?!“ „Ach du, lass uns mal bei Warner Bros. anfragen. Die sind sich doch für nix zu schade.“

Und so strömen wir ab heute in Scharen ins Kino, um uns das Hirngespinst vom Pool anzuschauen. Sucker Punch. Ein Film, dessen Drehbuch in nur fünf Monaten geschrieben wurde und der in vier Monaten komplett abgedreht war, bewirbt sich selber mit der Tagline „Alice in Wonderland – with machine guns“. Sucker Punch. Ein Film, bei dem man sein Gehirn auf Standby herunterfahren darf, um ihn in vollem Maße zu genießen. Sucker Punch. Ein Film, welcher der erste Anwärter auf den schlechtesten Film dieses Jahres ist. Das Problem liegt bei Sucker Punch nicht darin, dass er keine komplexe Story oder metaphorische Gesellschaftskritik beinhaltet, sondern lediglich dazu auffordert, mit Popcorn und Bier einem fröhlichen Gemetzel zu frönen. Das Problem liegt darin, dass Filme ohne Handlung unterhalten müssen. Sucker Punch tut dies nicht.

Ein Mädchen wird in eine Irrenanstalt gesperrt und flüchtet sich daraufhin schockartig in eine Fantasiewelt, in welcher sie aus der Anstalt ausbrechen will, indem sie sich in einer weiteren Fantasiewelt verliert. Klingt ein bisschen nach Inception auf Opium, ist aber so. Hinzufügenswert ist vielleicht noch die Tatsache, dass sie in diese zweite Fantasiewelt nur kommt, wenn sie tanzt. Hach, Drehbücher, die am Pool geschrieben wurden. Der Film findet daraufhin nicht nur auf zwei Ebenen von fiktionalen Realitäten statt, er findet auch auf zwei Ebenen der Langweile statt. Frisierte Langeweile und gähnende Langeweile nämlich. Wenn sich die Mädels durch ihre getanzte Traumwelt metzeln, dann ist das zwar redundant und die Choreographien sind abgestanden, aber durch Zach Snyders Händchen für visuelle Effekte, ist die Langeweile immerhin etwas aufpoliert, sozusagen frisiert. Gähnen muss man hingegen fortwährend, wenn sich Baby Doll und Co in der vermeintlich richtigen Welt heulend in den Armen liegen und sich gegenseitig bemitleiden.

Überhaupt, was ist das für ein SciFi-Fantasy-Action-Spektakel, in dem sich die Hauptcharaktere die meiste Zeit aufführen wie die wiedervereinigte Monrose-Girlband? Und wenn in einem Männerfilm mehr Tränen fließen als Blut, dann wurde irgendwann mal irgendwas grundlegend falsch gemacht. Den Preis, den Zack Snyder für so einen Schund zahlen musste, sind satte 14 Minuten geschnittenes Material. Denn wenn Warner schon so etwas Hirnrissiges produzieren lässt, dann sollen da gefälligst alle Nerds ab 16 Jahren rein rennen. Deshalb lässt sich im kompletten Film auch kein einziger Tropfen Blut finden. Wenn die Nazi-Zombies von Kugeln durchlöchert werden, dann dampfen sie. Ziemlich starker Tobak.

Vielleicht eine kurze Liste von Dingen, die Sucker Punch nicht bietet, die für unterhaltsame Filme jedoch unerlässlich sind: Empathie mit der Hauptfigur, einen echten Antagonisten, einen verständlichen Konflikt, ansprechende und kreative Bildsprache, zündende Gags. Dafür kann Sucker Punch allerdings auch mit so Sachen aufwarten, wie mehr Möchtegern-Mythologie, als in Tron: Legacy und überflüssigen Predigten zu Werten, wie Moral, Wahrheit, Freundschaft oder Loyalität. Der Bullet-Time-Effekt wird beim zehnten Mal übrigens auch nicht auf einmal wieder fürchterlich spektakulär. Den Film in doppelter Geschwindigkeit abzuspielen wäre vielleicht noch eine Option.

Achso. Wer bei Tron: Legacy bereits nicht darüber erpicht war, wie sich hier und da bei anderen Filmen und Videospielen bedient wurde, wird bei Sucker Punch munter im Strahl kotzen: Von Batman Arkham Asylum, über Mortal Kombat, God of War, Diablo, Killzone, I Robot, Terminator bis hin zu Der Herr der Ringe wurde abgekupfert und sogar das Kostüm von Sailor Moon haben sie geklaut. Wie konnten sie nur. Aller Kritik zum Trotz muss man Sucker Punch seinen visuellen Reiz dann doch ein wenig zusprechen. In der typischen Snyder’schen Bildsprache hack’n’slayen sich die Mädels durch abgefuckte Welten voller infantiler Fantasie. Das sieht zwar alles ganz hübsch aus, reißt auf Dauer aber leider auch nicht vom Kinohocker. Einen Film mit knallharter Action zu bewerben, um ihn dann in vier Computerspielleveln und dämlichen Cut-Scenes dahin dümpeln zu lassen, ist nicht gerade fair. Hey Zack, wenn du wissen möchtest, wie man knackigen Schmunzel-Splatter und flotte One-Liner par excellence zaubert, kann ich dir gerne mal meine Kickass-DVD ausleihen.

Kurzum: Sucker Punch ist dümmlich und langweilig und dieser Mann, der drei andere großartige Filme zu verantworten hat, möge bitte niemals mehr in seinem Leben versuchen ein Drehbuch zu schreiben. Achja. Vielleicht als Anschauungsunterricht mal eine Liste von Filmen, bei denen man sein Gehirn wunderbar an die Garderobe hängen kann und trotzdem top unterhalten wird: Avatar, From Dusk Till Dawn, Independence Day, Mars Attacks, Shoot em Up und 300. Letzterer stammt übrigens von einem gewissen Zack Snyder. Wer war das noch mal? Und was macht der so? Hoffentlich nicht am Pool am Drehbuch zur neuen Superman-Verfilmung mitschreiben.

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