Batman V Superman – Pest V Cholera — März 23, 2016

Batman V Superman – Pest V Cholera

Ich habe ein persönliches Problem mit Regisseur Zack Snyder. Ich mag DAWN OF THE DEAD, liebe 300 und vergöttere WATCHMEN. Aber dann missbrauchte Snyder mit SUCKER PUNCH mein Vertrauen nachhaltig. Noch ist es für mich unverständlich, wie ein so talentierter Regisseur so einen Schund abliefern konnte und suche bis heute nach Gründen. Ehrlich gesagt war mir MAN OF STEEL dann ziemlich egal, denn Superman hat mich als Figur nie sonderlich interessiert. Morgen startet BATMAN V SUPERMAN, ein popkulturelles Event, dass sich nicht ignorieren lässt. Ich habe den Film gestern gesehen und ich wollte den Film wirklich mögen, doch das ist nach 150 Minuten substanzlosem Overkill leider nicht möglich.

Zweieinhalb Stunden, das war mal sehr lange für einen Kinofilm. Besonders für Comic-Adaptionen ist diese Dauer mittlerweile aber normal, was nicht schlimm ist, solange die Zeit entweder mit atemberaubenden Action-Szenen gefüllt wird oder die Entwicklung der Figuren vorantreibt. Zumindest erfüllt die Eingangssequenz von BvS die erste der beiden Prämissen, nur um sich danach fatalerweise seinem Drehbuch zu widmen. Und dieses Drehbuch ist eine Katastrophe, ein Totalausfall, ein Super-GAU. Zweieinhalb Stunden, das sollte doch eigentlich für einen glaubwürdigen Konflikt zwischen dem schwarzen Ritter und dem Mann aus Stahl ausreichen.

Irgendwie haben es die Skript-Schreiber jedoch geschafft, einen Großteil der Laufzeit mit gehaltlosem Geschwafel zu verschwenden. Ich kann nicht mal besonders konkrete Beispiele anführen, weil mich BATMAN V SUPERMAN so langweilte, dass sich mein Hirn nach dem Abspann wie Brei anfühlte. Insgesamt wird sich aber zu sehr auf die Darstellung religiöser Analogien konzentriert, anstatt den unvermeidlichen Kampf inhaltlich plausibel zu untermauern. Spätestens bei der dritten Moralpredigt über die Handlungskompetenzen eines gottgleichen Alien und dem verqueren Gerechtigkeitssinn eines paranoiden Milliardärs habe ich verstanden, dass mir hier mit dem Presslufthammer zwischen die Synapsen gewummert wird: Die beiden mögen sich nicht.

Die zähe Redundanz könnte immerhin durch beeindruckende Action aufgelockert werden. Es gibt Action, ungefähr die Hälfte davon ist unterhaltsam, während besonders am Ende der typische Snyder’sche Overkill für mich zu einem geistigen Tilt führte. Da fällt es nicht mal mehr ins Gewicht, dass der Endgegner ungefähr genauso spannend ist, wie der vorausgehende titelgebende Fight zwischen Batman und Superman. Der dauert übrigens so um die zehn Minuten.

Die große Fan-Frage, ob Ben Affleck ein würdiger Batman-Nachfolger ist, rückt im Angesicht der schauderhaften Aneinanderreihung seelenloser Szenen ganz weit in den Hintergrund. Ich mochte Batfleck. Ich mochte auch Jesse Eisenberg als Lex Luthor, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich sein hibbeliges Overacting als Geniestreich oder Wahnwitz werten sollte. Weil sein Schauspiel allerdings sowas von drüber ist, tendiere ich zu der Vermutung: Einzig Eisenberg war bewusst, dass er gerade Teil des teuersten Trash aller Zeiten ist.

Den Rest habe ich entweder schon verdrängt oder nicht verstanden, was mich wiederum wütend macht. Ich musste googeln, weil für den Sinn einiger Szenen so viel Nerd-Wissen vonnöten ist, dass ich sie ohne fremde Hilfe nicht richtig interpretieren konnte. Das ist kein Fanservice, das ist Dummheit. Am desaströsen Drehbuch hat Zack Snyder keine Schuld, er hat es nicht geschrieben. Dennoch trägt er als Regisseur die Verantwortung für einen schlechten Film, was BATMAN V SUPERMAN zweifelsohne ist.

Bitte, spart euer Geld oder investiert es für die wahren Perlen dieses Monats: ROOM und 10 CLOVERFIELD LANE.

Rückblick: Das Kinojahr 2015 — Dezember 6, 2015

Rückblick: Das Kinojahr 2015

Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegen. Das bringt viele von uns dazu zu reflektieren: War 2015 erfolgreich? Wurden meine Erwartungen erfüllt? Hatte ich Spaß? Natürlich stellen sich auch Filmfreunde diese Fragen, angeregt von diversen Bestenlisten, die seit einigen Tagen durch das Netz tingeln. Bei den Tops und Flops sind sich viele Magazine schnell einig. Die folgende Liste soll jedoch erörtern, ob das Kinojahr 2015 ein gutes Jahr war. Für mich. Nachfolgend resümiere ich noch einmal kurz über alle Filme, die ich in den letzten 12 Monaten im Kino gesehen habe.

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Prokino Filmverleih

Wild Tales

Episodenfilme sind toll. Sechs Geschichten werden in dieser argentinischen Produktion mit einer satten Portion an schwarzem Humor und sarkastischer Satire zu einem kurzweiligen Cocktail gemischt, welcher die Antwort auf die Frage liefert, was passiert wenn wir ein Mal so durchdrehen wie wir es gerne würden.

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Walt Disney Germany

Big Hero 6

Disneys Animationsschmiede beschert uns dieses Jahr nicht nur den knuffigsten Fist Bump der Filmgeschichte, sondern liefert mit diesem Roboter-Abenteuer auch noch einen äußerst unterhaltsamen Streifen für kleine und auch große Menschen. Besonders die neu geschaffene Stadt San Fransokyo ist pures Eyecandy.

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Fox Deutschland

Birdman

Wenn ein Film bei den Oscars in den Kategorien Bester Film und Beste Regie abräumt, dann lohnt sich zumindest ein Blick auf eben diese Produktion. Selbst wenn nicht jedermann etwas mit dem Arthouse-Chic von Alejandro González Iñárritu anfangen kann und der Streifen dann und wann etwas prätentiös anmutet – angucken!

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StudioCanal Deutschland

John Wick

Wer hätte gedacht, dass einer der besten Actionfilme des Jahres auf einem Originaldrehbuch basiert und dann auch noch so erfolgreich wird, dass daraus höchstwahrscheinlich ein Franchise wird. Kinder, die Ästhetik dieses Films ist so schön wie die Wangenknochen von Keanu Reeves. Immer wieder, gerne mehr.

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Sony Pictures Germany

Whiplash

Am Jazz mögen sich die Geister scheiden, nicht jedoch an diesem Film. Die beiden Hauptdarsteller Miles Teller und J.K. Simmons liefern ein ebenso intensives wie inspirierendes Kammerspiel ab, welches den Zuschauer zu gleichen Teilen schockiert und bewundernd zurücklässt. Nein, Mama, ich möchte lieber kein Schlagzeug zu Weihnachten.

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Warner Bros. GmbH

American Sniper

Clint Eastwood ist sicherlich kein Pazifist. Aber wenn ich mich in einem Kinosessel niederlasse geht es in erster Linie um das Leinwandspektakel und nicht um den Regisseur dahinter. So gesehen ist dieser Film solides Handwerk, dynamisch und spannend umgesetzt, und nicht zuletzt provokant. Clint Eastwood sei Dank.

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Sony Pictures Germany

Chappie

Ich bin ein großer Fan von Die Antwoord. Ich bin auch ein großer Fan von Regisseur Neill Blomkamp. Trotzdem war ich von seiner letzten Produktion sehr enttäuscht. Das Drehbuch wird lose zusammengehalten vom altbekannten District-9-Style und kämpft zwei Stunden lang mit handgranatengroßen Logiklöchern.

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Warner Bros. GmbH

Focus

Stimmt, Will Smith sieht verdammt gut aus. Margot Robbie sowieso. Die Chemie stimmt, die Formel auch. Zwei schöne Menschen an schönen Orten zwischen schönen Sachen. Kurz noch eine Gaunergeschichte dazu – zack, feddich – mittelmäßiger Streifen für verregnete Nachmittage auf dem Sofa.

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Fox Deutschland

Kingsman: The Secret Service

Huch, schon wieder ein Originaldrehbuch, das dieses Jahr punkten konnte. Allerdings sollte man Regisseur Matthew Vaughn nach Kick-Ass und X-Men fast schon blind vertrauen. Was dieser Mann anpackt macht Spaß, ist blutig, mutig, subversiv und kommt niemals ohne ein kleines Augenzwinkern aus. Bravo!

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Universal Pictures Germany

Furious 7

Wenn sich Menschen nach mittlerweile sieben Teilen Fast & Furious ins Kino setzen und einen realistischen Actionfilm ohne pathetische Familien-Moral und reißerischen Szenen erwarten, dann kann ich nur noch müde lächeln. Wir Fanboys wissen seit Jahren, dass das hier eine der rasantesten Filmreihen aller Zeiten ist.

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Walt Disney Germany

The Avengers: Age of Ultron

Für mich einer der am meisten erwarteten Filme des Jahres, bin ich dementsprechend gehypt ins IMAX gerannt und war – wie so viele andere auch – schlussendlich eher enttäuscht. Ein bisschen zu lang, ein bisschen zu viel, ein bisschen wie ein Verbindungsstück zwischen Phase 1 und Phase 3 des MCU.

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Universal Pictures Germany

Ex Machina

Was Regisseur Alex Garland mit (nur) 15 Millionen US-Dollar Budget so alles machen kann, stellt er hier eindrucksvoll unter Beweis. Das Originaldrehbuch mit drei Top Schauspielern katapultiert sich innerhalb kürzester Zeit zu einem düsteren und spannenden Kammerspiel. Ein Muss für jeden Science-Fiction-Fan.

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Warner Bros. GmbH

Mad Max: Fury Road

Wenn ihr diese postapokalyptische Horror-Oper nicht auf der größten Kinoleinwand eurer Umgebung gesehen habt verdrücke ich eine Träne. Die Komposition aus 1200 schnellen Schnitten, dem ohrenbetäubenden Score und der bad-ass-igkeit von Charlize Theron werden zu einem Gesamtkunstwerk. Ist ein bisschen wie Fast 7 auf Crystal Meth in einer Wüste voller Rammstein-Fanboys.

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Universal Pictures Germany

Pitch Perfect 2

Wenn Elizabeth Banks und Anna Kendrick, zwei der coolsten Personen auf diesem Planeten, aufeinandertreffen kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Und so präsentiert sich die Fortsetzung zum  A-Capella-Hit als fluffige Harmonie-Komödien ohne große Ausreißer nach oben oder unten. Go, Barden Bellas!

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StudioCanal Deutschland

Chef

Wenn der Abspann läuft hat man gute Laune und Hunger. Kann es einen besseren Grund geben einen Film zu gucken? Okay, Scarlett Johansson, Dustin Hoffman, Sofía Vergara und Robert Downey Jr. spielen auch noch mit. Habe ich erwähnt, dass es ums Essen geht? Und um die Lust am Leben. Aber primär um wirklich köstliches Essen.

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Universal Pictures Germany

Jurassic World

Jeder liebt Dinosaurier. Immernoch. Dieser Fakt macht Jurassic World dieses Jahr zum dritterfolgreichsten Film aller Zeiten. Und hey, auch filmisch gesehen ist ein durchaus unterhaltsamer Sommerblockbuster dabei herausgekommen, der in einigen Szenen wirklich stark an Spielbergs Meisterwerk von 1993 erinnert.

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Senator Filmverleih

Victoria

Wenn ihr dieses Jahr einen deutschen Film im Kino gesehen haben müsst, dann diesen hier. Victoria kommt zwei Stunden lang ohne einen einzigen Schnitt aus und war nach drei Takes im Kasten – eine handwerkliche Meisterleistung. Darüber hinaus überzeugen aber auch die Thriller- und Drama-Elemente.

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Paramount Pictures Germany

Terminator Genisys

Das Reboot musste von Seiten der Kritik mächtig einstecken, tatsächlich fühlte ich mich dagegen recht gut unterhalten. Sicher, so innovativ oder visuell beeindruckend wie das Original ist das aufgewärmte Franchise lange nicht. Aber für zwei Stunden solides Popcornkino mit guten Gags und einer cleveren Story reichts doch.

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Prokino Filmverleih

Amy

Ich bin nicht der größte Doku-Fan, aber dann und wann haut mich die eine oder andere dann doch mal aus den Latschen. Zu gleichen Teilen interessant wie traurig, zeigt Amy die Beziehung zwischen Kunst und Klatschpresse erschreckend ehrlich – und macht den Zuschauer somit quasi zum Komplizen.

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Walt Disney Germany

Ant-Man

Schon wieder hat es Marvel geschafft, einen neuen und belebenden Superhelden in die Nähe der Avengers zu rücken. Zwar bleibt dieser Film genauso klein wie sein Namensgeber, aber er hat eine große Portion an Charme und Herz.Und im Hinblick auf die finale Phase 3 ist Ant-Man vermutlich ein ganz großer Beitrag.

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Warner Bros. GmbH

Magic Mike XXL

Wenn sich diese schönen Körper zur Musik bewegen sitze ich mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung im Kinosessel. Ohne Regisseur Steven Soderbergh verkommt die Fortsetzung leider zu einem uninspirierten Road Trip, obwohl dieser am Ende dann nochmal sprichwörtlich an Fahrt aufnimmt. XXL eben.

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Paramount Pictures Germany

Mission: Impossible – Rogue Nation

Blockbuster-Alarm! Dieses Franchise hält die Qualität ähnlich hoch wie sein Hauptdarsteller seine Treue zur Religion und beweist fast beiläufig, dass Tom Cruise einer der größten Action-Stars aller Zeiten ist. Wow, wie kann diese Filmreihe immer noch so viel Spaß machen? Ethan Hunt legt vor, James Bond kann nachziehen.

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Universal Pictures Germany

Straight Outta Compton

You are now about to witness the strength of street knowledge. Regisseur F. Gary Gray ist hier tatsächlich ein zeitloses Biopic gelungen, was sicherlich zu großen Teilen den Performances seiner Hauptdarsteller zuzuschreiben ist. Und natürlich der Musik. Ein mitreißendes Zeitdokument, dass nicht nur für Fans von N.W.A. interessant ist.

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Weltkino Filmverleih

Frank

Michael Fassbender ist ein Gewinn für jeden Film. Und wenn dieser 90 Minuten einen riesigen Pappmaschee-Kopf trägt, ist das Interesse für dieses wunderschöne Indie-Drama mit dem Schwerpunkt auf Depression schnell geweckt. Es lohnt sich übrigens eine kleine Recherche über die wahre Inspiration namens Frank Sidebottom.

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Universal Pictures Germany

Everest

Zugegeben, wer sich im Zuge der groß angelegten Werbekampagne nur ein wenig mit der Geschichte um Rob Hall beschäftigt hat, wird während der zweistündigen Tour auf dem Everest nichts wesentlich neues erfahren. Dennoch beeindruckt dieser Film vor allem im IMAX mit atemberaubenden Bildern.

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Walt Disney Germany

Inside Out

Pixar ist zurück – und wie! Von der Idee, der Ausarbeitung aller Figuren, bis hin zur Animation ist dieser Film wahrlich ein Meisterwerk, welches auch wieder einmal für junge und ältere Menschen funktioniert. Die Mischung aus Slapstick, Drama und einer großen Portion Disney-Emotion passt perfekt.

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StudioCanal Deutschland

Sicario

Ich vergöttere Denis Villeneuve. Die Werke des Regisseurs in Zusammenarbeit mit Kameramann Roger Deakins sind atmosphärische Albträume, die durch wunderschöne Bildsprache bestechen. Daran ändert sich auch nichts bei seinem neuen Streifen. Und dieser Mann macht den neuen Blade Runner.

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Fox Deutschland

The Martian

Saving Private Ryan, Interstellar, The Martian. America has spent so much fucking money retrieving Matt Damon. Aber es lohnt sich jedes Mal. Regisseur Ridley Scott liefert nach langer Zeit mal wieder einen Film ab, der schlau, spannend, witzig und bewegend ist. Kein schlechtes Jahr für Blockbuster- und SciFi-Freunde.

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Sony Pictures Germany

The Walk

Mit Man on Wire hat eine beeindruckende Dokumentation bereits 2008 alles erzählt, was man über  Philippe Petit wissen muss. Auch Robert Zemeckis kann aus dieser außergewöhnlichen Geschichte nicht mehr machen, als sie sowieso schon hergibt. Bis auf ein paar der imposantesten 3D-Effekte, die es dieses Jahr im Kino zu sehen gibt.

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Sony Pictures Germany

Spectre

Nach Casino Royale und Skyfall waren die Erwartungen natürlich sehr hoch. Leider kann der neue 007 diesen Erwartungen überhaupt nicht gerecht werden. Das Drehbuch ist äußerst schlecht geschrieben, Blofeld als Antagonist erschreckend langweilig und Bond handelt ungeheuer fragwürdig. Eine große Enttäuschung.

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Universal Pictures Germany

Steve Jobs

Ich kann es verstehen, wenn man mit Steve Jobs nichts anfangen kann. Weder mit dem Mythos, noch mit dem Film, der ihm aber sicherlich kein Denkmal setzt. Es ist Theaterstück in drei Akten geworden. Danny Boyle komponiert wunderschöne Plansequenzen und der großartige Aaron Sorkin schreibt messerscharfe Dialoge dazu.

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Walt Disney Germany

Fazit

Anfang Dezember. 31 Filme habe ich bis jetzt gesehen. Ich hätte gerne viel mehr gesehen. Auf meiner Liste fehlen Foxcatcher, A Most Violent Year, Ich seh Ich seh, MacBeth und viele andere. Mindestes ein Film kommt in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember noch dazu, aber auch für Bridge of Spies, Krampus und Carol werde ich mich dieses Jahr noch einmal in den Kinosessel fläzen.

Gut drei Dutzend Kinofilme haben sich 2015 also über meine Synapsen gelegt, viele wurden schnell wieder vergessen, einige haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt möchte ich dieses Filmjahr aber als durchaus gelungen abnicken. Insbesondere Mad Max, Whiplash und Victoria sind Filme, die ich mir noch oft ansehen und oft weiterempfehlen werde.

Und bei euch so? Wie viele Filme habt ihr in diesem Jahr gesehen und empfindet ihr 2015 eher als Reinfall oder hattet ihr viel Spaß im Kino?

Einsteigen. Anschnallen. Genießen. — Juni 11, 2015

Einsteigen. Anschnallen. Genießen.

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn JURASSIC WORLD kein finanzieller Erfolg wird. Selbst 22 Jahre nachdem Steven Spielberg mit dem ersten Teil der JURASSIC PARK Trilogie neue Maßstäbe mit einem Mix aus Practical Effects und CGI setzte, gieren die Kinozuschauer noch nach Dino-Action. Selbst der miese dritte Teil scheint vergessen. Selbst die billigen Special Effects aus dem allerersten Trailer am Anfang des Jahres scheinen verziehen. Selbst gezähmte Velociraptoren werden abgenickt. Bei angestiegenen 3D- und IMAX-Preisen sollte die anvisierte monetäre Ziellinie für Universal schon in Sicht sein. Für alle anderen stellt sich die Frage, ob der vierte Teil den Spirit des Originals wiederfindet und die lieblos zusammengewürfelten Setpieces der beiden Vorgänger vermeiden kann. Nun denn, der Park ist eröffnet!

Visionär und Unglücksbringer John Hammond würde vor Glück einen Luftsprung machen, könnte er sehen was sich rund zwei Dekaden nach den Ereignissen von JURASSIC PARK auf Isla Nubla getan hat. Auf der Insel floriert ein vollfunktionsfähiger Dino-Park samt Rundfahrten, Fütterungs-Shows und Merch-Ständen. Ihm zu Ehren wurde sogar ein goldenes Denkmal in die Lobby gebaut. Die Massen strömen auf Fähren in den weltbekannten Park, darunter auch die beiden Brüder Zach und Gray. Eigentlich soll sich ihre Tante Claire (Bryce Dallas Howard) um die Teens kümmern, jedoch ist sie die schwerbeschäftigte Sicherheitschefin und ihr Handy klingelt und piepst zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ihre Assistentin wird kurzerhand zum Kindermädchen degradiert und ist damit so glücklich, dass sie Zach und Gray schon nach wenigen Stunden aus den Augen verliert. Als wäre das nicht schon Problem genug, gibt es schließlich auch noch Ärger mit der neuen Attraktion – einem genetisch veränderten Dino-Hybrid – welcher das Leben hinter 20 Meter hohen Steinmauern offensichtlich satt hat und sich nach der Flucht aus dem Gehege unaufhaltsam in Richtung der Park-Besucher bewegt. Zusammen mit dem Velociraptoren-Trainer Owen (Chris Pratt) versucht Claire sowohl das Monster als auch die Kids wieder einzufangen.

Ein Dinosaurier bricht aus. Zwei Kinder gehen verloren. Menschen laufen wild schreiend durcheinander. Die Faktoren in JURASSIC WORLD orientieren sich sehr eng am Original von 1993, lediglich die Variablen werden ein wenig verschoben. Natürlich ist das alles nichts Neues, aber JURASSIC WORLD weiß mit seinem aufgewärmten Plot umzugehen und kokettiert in mehreren Szenen mit einem äußerst eindeutigen Unterton. Ein Beispiel: Die im Labor entstandene Killermaschine trägt den hübschen Namen Indominus Rex und nachdem sie eine Schneise der Verwüstung hinter sich her zieht wird der Milliardär und Parkbesitzer Masrani (Irrfan Kahn) dann doch etwas nervös und fragt seinen Forschungschef Dr. Henry Wu (der alterslose BD Wong) was genau sie da eigentlich im Labor zusammengemixt haben. Seine schnöde Antwort: „Sie wollten etwas spektakuläres. Größer und mit mehr Zähnen. Ich glaube cool war das Wort, das sie verwendeten.“ So viel ironische Selbstreflexion hätte man einem 150 Millionen schweren Sommerblockbuster gar nicht zugetraut.

Trotzdem – das Budget ist größer, der neue Saurier hat mehr Zähne und Chris Pratt versucht zumindest cooler zu sein als Jeff Goldblum (Blasphemie! Das geht ja gar nicht). Attestieren muss man ihm aber dennoch, dass er seinen Charakter in jeder Szene möglichst perfekt präsentieren möchte und ja, tatsächlich sieht er motorradfahrend und umringt von einem abgerichteten Rudel Raptoren äußerst lässig aus. Ein wenig zu lässig beziehungsweise leider schon ein wenig blass wirkt dagegen sein weiblicher Konterpart Bryce Dallas Howard, die eigentlich nur in einer amüsanten Szene abliefert (Stichwort: sarkastisches Porträt von taffen Amazonen in Actionfilmen), schlussendlich aber doch bloß hinter Chris Pratt herdackelt und tut wie ihr aufgetragen wird. Erwähnenswert ist dann höchstens noch Vincent D’Onofrio als grimmiger Antagonist, ein Überbleibsel aus alten InGen-Zeiten, welcher die Velociraptoren als Soldaten in Krisengebiete schicken will. Der schnöde Mammon muss hier als Motivation reichen.

Im Film wäre John Hammond stolz wie Bolle, angesichts dessen was aus seiner Vision entstanden ist. Jedenfalls die erste halbe Stunde. Doch wäre auch Executive Producer Steven Spielberg stolz darauf, was Regisseur Colin Trevorrow (SAFETY NOT GUARANTEED) aus seinem wegweisenden Meisterwerk gemacht hat? Er kann es jedenfalls. Denn JURASSIC WORLD ist ein äußerst homogener Popcornspaß geworden, der Action-, Comedy- und Survival-Horror-Elemente zu einem vergnüglichen Zweistünder kombiniert. Sogar die Angst vor zu viel billigem CGI ist am Ende unbegründet. Natürlich gibt es keine liebevollen Practical Effects mehr, trotzdem sehen die im Computer entstandenen Dinos echt aus und werden zudem nur äußerst selten in ihrer vollen Pracht durch die Kamera eingefangen, sodass auch die Fantasie der Zuschauer nicht zu kurz kommt. Lediglich am Ende dreht der Streifen die Special-Effects-Action auf 9000. Aber nur für drei Minuten. Das darf er.

Selbstverständlich hat es kein Actionfilm dieses Jahr mehr leicht, denn MAD MAX hat die Latte in diesem Fach so hochgelegt, dass nicht mal ein Velociraptor drüberspringen könnte. Dennoch wirkt JURASSIC WORLD angenehm frisch und interessant (kann auch am fehlenden Einsatz von teal and orange liegen) und bringt wenigstens für 120 Minuten die Faszination und Begeisterung zurück, mit der man 1993 in den Kinositz gedrückt wurde.

Im Weltraum hört dich niemand weinen — November 1, 2014

Im Weltraum hört dich niemand weinen

Der Meister des Mainstreams ist zurück und man mag von Christopher Nolan halten was man will, aber er weiß interessante Ideen in massentauglichen Filme zu verpacken. So auch in seinem neuen Leinwand-Spektakel INTERSTELLAR, in welchem er sich erneut seiner kinematographischen Lieblingskomponente widmet – der Zeit.

Die Zeit der Menschen neigt sich in einer nicht näher definierten Zukunft dem Ende entgegen, Mutter Erde hat ausgedient. Die extrem hohe Konzentration an Kohlenstoffdioxid in der Luft beschert den Menschen einen unschönen Reizhusten, Mais ist das letzte anbaubare aller Getreidesorten und riesige Sandstürme fegen übers Land. In einer geheimen Forschungseinrichtung tüftelt die NASA an einem Rettungsplan, in dem einerseits ein Wurmloch in eine andere Galaxie eine Rolle spielt, andererseits der Farmer und Ex-Pilot Cooper (Matthew McConaughey) zum Anführer der geradezu aussichtslosen Mission gemacht wird. Cooper trennt sich von seinen beiden Kindern und startet auf eine Reise ins Ungewisse.

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer von Captain Cooper und seiner Crew, einen neuen Planeten für die aussterbende Spezies Mensch zu finden. INTERSTELLAR startet als eine Mischung aus seichtem Endzeitfilm und vorhersehbarem Familiendrama, doch sobald Nolan seine Protagonisten durch den Orbit hinein ins All schickt, legt der Regisseur alle Karten auf den Tisch. Wurmlöcher, schwarze Löcher, String- und Relativitätstheorie, fremde Planeten, Singularität und das Spiel mit der Gravitation sind fortan die großen Themen, verpackt in fantastische Bilder und großartige Performances von Matthew McConaughey und Anne Hathaway. Doch wer ein SciFi-Spektakel à la ARMAGEDDON oder eine kosmische Achterbahnfahrt wie in GRAVITY erwartet wird enttäuscht. INTERSTELLAR wirkt wie die filmische Tagebuch-Adaption eines Weltraumentdeckers. Vollgestopft mit faszinierenden Szenen und interessanter Technik wird relativ schnell deutlich, wohin genau 165 Millionen Dollar Produktionsbudget gewandert sind.

Mindestens genauso fix stellt sich heraus, dass Nolan noch immer nicht gelernt hat zwischenmenschliche Gefühle zu kreieren. So versucht er krampfhaft sogar gleich zwei Vater-Tochter-Beziehungen mit dem Holzhammer auf die Leinwand zu klöppeln, was einigermaßen durch das versammelte schauspielerische Talent kompensiert werden kann. Trotzdem liegt auch hier das Schicksal der Menschheit in den Händen eines Mannes, der sich scheinbar zwischen Liebe und Verstand entscheiden muss. Schlussendlich ist INTERSTELLAR aufgebläht mit überkandideltem Melodram, ungenießbar und deshalb nutzlos, sodass sich der Zuschauer zu sehr mit Theorien und Logiken seines filmischen Universums beschäftigt. Doch so clever und smart das Drehbuch auch vorzugeben versucht, am Ende regiert der Edelkitsch und Nolan macht es sich sehr einfach sein monumentales Machwerk zu beenden.

INTERSTELLAR ist visuell überwältigend inszeniert, aber kühl und leblos wie seine erschaffenen Planeten. Sollte im Stile von 2001: A SPACE ODYSSEY eine Oper komponiert werden, so ist die Ouvertüre uninteressant, der Hauptakt bildschön und der Schlussteil die sprichwörtliche Katastrophe. Insgesamt kein Totalausfall, stellenweise berauschend und im Kino (vor allem im IMAX) imposant, aber nicht das erhoffte und erhypte Meisterstück.

Sin City 2: A Movie to stay at Home for — September 22, 2014

Sin City 2: A Movie to stay at Home for

Neun Jahre sind vergangen, seit Robert Rodriguez mit seiner Adaption von SIN CITY die Zuschauer reihenweise in die Kinosessel drückte und mit einem What-the-Fuck-Moment aus dem Saal stolpern ließ. Style over Substance hin oder her, die filmische Umsetzung des gleichnamigen Comics aus der Feder von Frank Miller war schlichtweg atemberaubend und visuell eindrücklich. Selbst an der Kasse verkaufte sich der Streifen unerwartet gut und so war es keine große Überraschung, dass kurz nach der Veröffentlichung eine Fortsetzung angekündigt wurde. Warum es letztendlich fast eine Dekade gedauert hat, wissen nur die Verantwortlichen selbst. Ob es am Studio lag oder an Rodriguez selbst, der in der Zwischenzeit lieber Danny Trejo mit einer Machete ausstattete und mehrere schlechtere Kinderfilme drehte, bleibt offen. Wahrscheinlich hätte das Hollywood-Publikum sogar schon vergessen, dass es einen zweiten Teil geben sollte, wenn die Fanboys auf der Comic-Con nicht jedes Jahr aufs Neue danach bettelten.

Innerhalb der letzten neun Jahre ist viel passiert: 300, eine weitere exzellente Frank-Miller-Verfilmung begeisterte die Kinobesucher, Christopher Nolan prägte die Popkultur insbesondere mit THE DARK KNIGHT und auch die Fortsetzung von 300 lockte noch genügend Menschen in die Multiplexe. Neben vielen düsteren Comic-Filmen läutete allerdings auch ein nicht unbedeutendes Studio namens Marvel eine neue Ära der Superhelden ein, die deutlich farbenfroher ist und ihren vorzeitig kunterbunten Zenit mit GUARDIANS OF THE GALAXY erreicht hat. Im Kontext dieser Entwicklung präsentiert sich SIN CITY 2: A DAME TO KILL FOR, ein lupenreiner Neo-Noir in schwarzweiß, düster und brutal, dem düster-noir-übersättigten Publikum.

Im Grunde fühlt er sich an und sieht genauso aus wie der erste Teil. In der ersten Episode, „Just Another Saturday Night“, verfolgt der liebgewonnenene Anti-Held Marv (Mickey Rourke) eine Bande aufmüpfiger Teenager bis zum unvermeidlichen Blutbad. Style over Substance, doch etwas ist anders. Zum einen ist es Rourke sichtlich anzumerken, dass er ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat, wie er sich so von Greenscreen-Set zu Greenscreen-Set schleppt. Zum anderen wirkt diese erste Sequenz aber auch uninspiriert, geradezu leblos, was zum Großteil sicherlich aus dem abgestandenen Look resultiert. Doch auch griffige One-Liner („That there is one damn fine coat you’re wearin’“) werden schmerzlich vermisst. Die nächste Episode trägt den Titel „The Long Bad Night“ und dreht sich um Johnny (Joseph Gordon-Levitt), der sich ganz dem Dienst des Glücksspiels verschrieben hat und den mächtigsten Mann der Stadt, Senator Roarke (Powers Booth), beim Poker herausfordert. Gordon-Levitt bringt frischen Wind mit sich und macht Spaß, weil er die Rolle des eingebildeten Klugschwätzers unnachahmlich smart und sexy spielt. Leider ist sein Auftritt nur von kurzer Dauer und endet in einer dämlichen Auflösung seiner Geschichte, die selbst ein Gastauftritt von Christopher Lloyd (ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT) nicht mehr gut zu machen weiß. Schade, dass er dafür wohl einen potentiellen Part in GUARDIANS OF THE GALAXY ausgeschlagen hat. In einer weiteren kleinen Episode, „Nancy’s Last Dance“, schlafwandelt sich Jessica Alba gelangweilt durch vermeintliche Mordfantasien, um den Tod ihres Retters Hartigan (Bruce Willis) zu rächen. „A Dame To Kill For“, die längste und titelgebende Episode, ist dann tatsächlich die spannendste und am besten besetzte. Allen voran Eva Green, die nicht nur wegen ihres Körpereinsatzes (in fast allen Szenen splitterfasernackt) vollkommende Hingabe zeigt, stellt einmal mehr ihr schauspielerisches Talent unter Beweis. Als Ava Lord, die Blaupause einer Femme fatale, verdreht sie allen Männern den Kopf und führt sie nach Lust und Laune an der Nase herum, ganz besonders allerdings ihren ehemaligen Liebhaber Dwight McCarthy (neubesetzt durch Josh Brolin).

Trotz viel Augenzwinkerei bleibt der Humor zu großen Teilen auf der Strecke, ebenso wie die Motivation der Protagonisten. Was bleibt, ist die visuelle Finesse, die sich durch unnötiges 3D aufzupolieren versucht. So unterschiedlich sind SIN CITY und A DAME TO KILL FOR nicht, lediglich der kinematographische Kontext hat sich über die Jahre verändert. Es bleibt der fade Verdacht, dass diese Fortsetzung schlichtweg fünf Jahre zu spät in die Kinos kommt und zu jener Zeit besser funktioniert hätte. Zu wenig, zu spät. Eine lieblose Kopie.

Dieser Artikel ist auch erschienen in: deadline, das Filmmagazin, Ausgabe 47

Drei gute Gründe gegen Transformers — Juli 31, 2014

Drei gute Gründe gegen Transformers

Michael Bay läutet mit dem vierten Transformers-Teil die Ära der Sommerblockbuster ein. Bumblebee ist süß? Der Krieg zwischen Autobots und Decepticons ist ein Action-Spektakel? Die Charakterentwicklung zwischen Ex-Marky-Mark Mark Wahlberg und Model-Tochter Nicola Peltz ist interessant? Investiert nicht 15 Euro und drei Stunden Lebenszeit in diesen repetitiven CGI-Schund. Hier sind drei aktuelle Filme, die mehr Abenteuer, Intensität und Hach-Momente bieten.

How to train your Dragon 2

Das Sequel zum Publikumserfolg ist ein besonderes, weil es die Mythologie des ersten Teils aufgreift und logisch weiterentwickelt, ohne dabei schon erzählte Plot-Points wieder aufzugreifen und erneut aufzuwärmen. Die Charaktere in HttyD2, Menschen und Drachen, sind größer geworden und dabei ist ihr Charme mitgewachsen. Das Gespann Hiccup/Toothless nimmt den Zuschauer mit auf eine abenteuerliche Reise voller Humor und Magie. Durch das perfekte Pacing ist der Film ein emotionaler Trip, ein Animationsspaß für 6- bis 66-Jährige und durch seine liebenswerten Figuren und die wundervolle Musik ein Kino-Erlebnis, welches noch lange in Erinnerung bleibt.

Boyhood

Ein dreistündiges Indie-Projekt über die Kindheit. Puh? Nein. Wow! Regisseur Richard Linklater (Before-Reihe) ist mit Boyhood ein einzigartiges Meisterwerk gelungen, welches es in seiner Konzeption so vorher tatsächlich noch nicht gab. Über 12 Jahre lang begleitet er Mason (Ellar Coltrane) von der Grundschule bis zum College. Jedes Jahr kommt die Filmcrew für vier Drehtage zusammen und erzählt die Geschichte des kleinen Jungen weiter und weiter, greift dabei Themen wie Liebeskummer, Streit mit den Eltern oder Stress in der Schule auf. Normale Etappen auf dem Weg zum Erwachsenwerden, die gefilmt und festgehalten zu einer kleinen Zeitreise in die Vergangenheit werden. Ein eindrücklicher Ausflug zu den eigenen Erinnerungen, wie Freude, Hoffnung und Trauer. Ein kinematografisches Experiment, welches den Zuschauer in eine filmische Erzählungsstruktur einbindet, wie sie intensiver nicht sein könnte. Auf der Berlinale gefeiert, in Hollywood verehrt. Jeder sollte Boyhood sehen.

The Raid 2

Geschichten, die das Leben schreibt: Der studierte Regisseur Gareth Evans arbeitet als Übersetzer, als er für einen Dokumentarfilm über Martial Arts nach Indonesien zieht, den kampfsportbegeisterten Postboten Iko Uwais entdeckt und ihn als Hauptdarsteller für ein Kampfkunst-Epos engagiert. Geschichten, die das Kino schreibt: The Raid begeistert mit einer Flut an wunderschönen Choreografien, brutal und kompromisslos. The Raid 2 toppt den ersten Teil in allen Belangen – Härte, Spannung und Laufzeit. Eine Gewaltorgie in drei Akten, inhaltlich angelehnt an asiatische Mafia-Streifen wie Infernal Affairs, der mit seinen Kampf-Szenen neue Maßstäbe setzt. Hirn aus, Film ab, unbedingt auf der großen Leinwand.

Großes Kino. Mit Affen. —

Großes Kino. Mit Affen.

Prequels, Sequels, Reboots – der Blick in das Kinoprogramm voller vermeintlicher Sommerblockbuster muss für viele Filmfreunde der schiere Graus sein. Ein TRANSFORMERS jagt den nächsten, zum x-ten Mal versammeln sich die X-MEN, und schließlich gesellt sich noch ein neuer PLANET DER AFFEN in dieses Potpourri an Wiederholungstätern. Wie diese unleidlichen Retortenfilme trotzdem zu Publikumserfolgen avancieren, stellen diesen Sommer die Leute von 20th Century Fox bravourös unter Beweis: Das Mutanten-Sequel zum Mutanten-Prequel mutiert zum Crowd Pleaser, genauso, wie der zweite Aufguss des Affen-Spektakels einer der besseren Filme dieses Jahres geworden ist.

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Jackocalypse Now — Februar 10, 2014

Jackocalypse Now

JACK BAUER, JACK REACHER, JACK UND JILL, JACK AND THE GIANTS. Die Jackocalypse in Hollywood schreitet voran. Wird das neue Projekt von THOR-Regisseur und MACBETH-Schauspieler Kenneth Branagh ein finanzieller Erfolg, dürfte sich insbesondere das amerikanische Kinopublikum auch in Zukunft über einen äußerst lieb gewonnenen Jack freuen. Denn in den USA ist es fast schon Tradition geworden, dass alle paar Jahre die von Tom Clancy erfundene Figur des Jack Ryan auf die große Leinwand zurückkehrt, dabei allerdings stets eher mittelmäßige Kritiken bekommt. Das dürfte wohl auch einer der Hauptgründe sein, weshalb nahezu in jedem neuen Aufguss ein anderer heiß gehandelter Schauspieler in die Rolle des CIA-Analysten schlüpft, danach jedoch zu berühmt und teuer für das Franchise wird. So wurde das Agenten-Zepter bereits von Alec Baldwin (JAGD AUF ROTER OKTOBER) an Harrison Ford (DIE STUNDE DES PATRIOTEN, DAS KARTELL) und Ben Affleck (DER ANSCHLAG) weitergereicht. Neuer Kandidat im Team Jack ist Chris Pine, der sich nun im Reboot als SHADOW RECRUIT versucht.

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Arielle, die Tabletfrau — September 8, 2013

Arielle, die Tabletfrau

Disney will den Second Screen im Kino

 

Informationen. Sie sind überall und in Sekundenbruchteilen für uns verfügbar. Ein Tweet hier, ein Wikipedia-Eintrag da. Wir kochen mit Hilfe von YouTube-Rezepten, lesen den Wetterbericht online und ergoogeln uns das Stammtisch-Wissen. Selbst abends auf der Couch ist das Smartphone oder Tablet immer griffbereit, um den neuen Tatort zu kommentieren oder herauszufinden, in welchen anderen Filmen diese Schauspielerin dort im Fernsehen sonst noch mitgespielt hat.

Nahezu jeder hat den Second Screen schon mal genutzt. Das haben mittlerweile auch die Programmchefs der jeweiligen Sender bemerkt und für eine Handvoll Formate, darunter beispielsweise Wetten, dass..?, spezielle App-Angebote eingeführt. Diese wirken zum Großteil allerdings genauso gewollt hip und gekonnt peinlich, wie die mit dem Trend einhergehenden Twitter-Mädchen. Besser und passender eignet sich der Second Screen für die Werbeindustrie. Mit Shazam während eines TV-Spots Zusatzinformationen bekommen, personalisiertes Twitter-Advertising bei individuellen Hashtags oder Apps, die spezielle Klangmuster erkennen und synchronisierte Werbung auf dem Smartphone einspielen.

Bier, Flips und der Second Screen
Bier, Flips und der Second Screen

Mit dieser Technologie will der niederländische Thriller App, welcher auch auf dem diesjährigen Fantasy Film Festival in Berlin lief, die Kinolandschaft revolutionieren. Vor der Vorstellung kann sich der Zuschauer die offizielle Applikation herunterladen, die über den Smartphone-Lautsprecher mithört und bei gewissen Szenen im Film gesonderte Zusatzinformationen anzeigt. „The movie works perfectly without the second screen. It’s a well paced thriller, but there are 35 moments in the movie when you can get additional information or content that will enrich the experience,“ sagt Robin de Levita, Chief Creative Officer vom Produktionsstudio Imagine Nation. Dass Hollywood an dieser Spielerei auch interessiert sei, ist nicht verwunderlich. 3D-Effekte, IMAX, iSense, Ruckelsitze oder Smell-O-Vision (mit Rubbelkarten zum unter die Nase halten). Alles neue, was die potentielle Kundschaft in den Kinosaal locken könnte, wird ausprobiert.

Der Second Screen im Kino kommt. Bereits seit zwei Jahren bedient Disney diesen Trend für ihre Veröffentlichungen auf DVD und Bluray. Bambi bot als erster Disney-Streifen für den Fernseher Zusatzmaterial in Form von Videospielen, Fotogalerien und Trivia. Noch in diesem Monat wird der Sommer-Blockbuster Iron Man 3 für den amerikanischen Heimkinomarkt erscheinen. Exklusiv hierzu wird es die Jarvis-App geben, mit der 41 Easter Eggs über den Zweitbildschirm gefunden werden können. Sicherlich ein nettes Gimmick für die Couch, doch Disney hat noch weitere Pläne. Kommende Woche startet in den USA der Klassiker Arielle, die Meerjungfrau. Soweit, so gewöhnlich, denn auch Der König der Löwen und Findet Nemo wurden durch einen 3D-Effekt entstellt und wiederholt im Kino aufgeführt. Arielle wird nun allerdings unter der Marke Disney Second Screen Live den Weg zurück auf die große Leinwand finden. Die Crux: Alle Zuschauer sollen unbedingt ihr Tablet mit in den Saal nehmen und es während des Films aktiv nutzen.

Ein Albtraum für jeden Filmfreund und Kinogänger. Jedes Handydisplay nervt schon heute, auch wenn es nur für kurze Zeit im Kinosaal aufleuchtet. Der Effekt ist stets gleich. Ablenkung durch Fremdeinwirkung, wodurch der filmischen Immersion geschadet wird. Denn genau das soll ein guter Kinofilm doch erreichen: Eintauchen in eine fremde Welt, umzingelt von unbekannten Gestalten und verwickelt in eine spannende Handlung. Der Second Screen, so populär er für das heimische Wohnzimmer mittlerweile auch ist, hat im Kino nichts zu suchen. Hinsichtlich des neuen Trends bleibt beim Blick auf die kommenden Veröffentlichungen von Disney trotzdem ein mulmiges Gefühl – 2015, Star Wars Episode 7.

Ein Blockbuster kommt selten allein — Juni 24, 2013

Ein Blockbuster kommt selten allein

Sommerzeit ist Blockbusterzeit. Mit Man of Steel in der letzten Woche und World War Z diesen Donnerstag werden sie endlich aufgefahren, die schweren Geschütze aus Hollywood. Vorbei die Zeit der lieblosen Komödien und langweiligen Action-Konserven, denn ab Juni lockt das Kino bei hohen Temperaturen mit Klimaanlage, kaltem Bier und heißem Filmscheiß. Was ihr in den kommenden Wochen auf keinen Fall verpassen dürft:

Despicable Me 2, 04. Juli

Vor drei Jahren war nicht nur die Freude über Despicable Me groß, sondern auch die Minion-Mania. Teil eins war ein Erfolg bei Jung und Alt. Logisch, dass sich Universal nicht lumpen lässt und prompt das Sequel hinterher schiebt. Erwartungsgemäß wird das nicht an die Qualität von 2010 anknüpfen können, aber dem Charme der kleinen gelben Minions kann sich eben kaum jemand entziehen.

Pacific Rim, 18. Juli

Wie es im Kopf von Guillermo del Toro aussieht, ist dank Hellboy oder Pans Labyrinth jedem Filmfan klar. Wie es in del Toros Kopf aussieht, wenn ihm die Produzenten 180 Millionen Dollar in die Hand drücken? Kaum vorstellbar. Pacific Rim wird diese Frage klären und somit das Science-Fiction-Jahr einläuten. Zum Plot: Aliens, Endzeitstimmung, riesige Mech-Roboter und epische Kämpfe. Eyecandy in IMAX 3D und Popcornkino in Reinkultur. Außerdem ist die Story kein Franchise, Sequel oder adaptiertes Drehbuch, sondern pure Originalität und deshalb unbedingt mit dem Kauf einer Kinokarte zu unterstützen.

Only God Forgives, 18. Juli

Neon-Schrift fliegt über die Leinwand, wummernde Bässe pumpen Synthie-Pop in den Saal, Ryan Gosling schreitet lethargisch einen leeren Korridor entlang. Nein, hier geht es nicht um den besten Film des Jahres 2011, Drive, sondern um den neuen Film des Instant-Kultregisseurs Nicolas Widing Refn. Style over substance? Gewaltverherrlichende Metzel-Orgien? Dänen lügen nicht? In Cannes von Schmähkritik und Buhrufen begleitet, kann sich das normalsterbliche Nicht-Kritiker-Publikum Mitte Juli eine eigene Meinung bilden.

Kick-Ass 2, 15. August

Manchmal passieren kleine Wunder und Sequels werden gute Filme. Besonders wünschenswert wäre das bei der Fortsetzung zum äußerst unterhaltsamen Kick-Ass. Erneut besetzt mit dem Muskelpaket Aaron Tayler-Johnson als Kick-Ass und der bezaubernden Cloë Moretz als Hit-Girl, bekommt das Duo Unterstützung von Colonel Stars and Stripes – gespielt von Jim Carrey. Eine konsequente Wahl, nachdem Nicholas Cage zuvor als Big Daddy glänzte. Für Stoßgebete an die Filmgötter ist es mittlerweile wohl schon zu spät, aber auch der Trailer verspricht wieder blutige Over-the-Top-Action.

The Butler, 16. August (in den USA/noch kein deutscher Starttermin)

Ein afroamerikanischer Butler, der von 1952 bis 1986 acht Präsidenten bediente, gespielt von Forest Whitaker, basierend auf einer wahren Begebenheit, in den Nebenrollen besetzt mit Robin Williams, Alan Rickman, Jane Fonda, John Cusack, Oprah Winfrey und Terrence Howard. Oscar-Material von Regisseur Lee Daniels, der schon mit Precious beachtliche Erfolge verbuchen konnte. Große Gefühle, wahre Geschichten, Pathos und Mariah Carey ist auch wieder mit dabei.

Elysium, 22. August

Das zweite SciFi-Großkaliber wird präsentiert von Neill Blomkamp, der bereits 2009 mit seinem fantastischen District 9 überzeugen konnte. Dass der Regisseur seinem authentischen und dreckigen Stil weiterhin treu bleibt, bestätigt sich im Trailer zu Elysium. Matt Damon auf der einen und Jodie Foster auf der anderen Seite treten an zum kongenialen Duell, in dem es um nichts weiter geht, als die Zukunft der Menschheit.

This Is The End, 29. August

James Franco feiert ’ne Party und plötzlich bricht die Erde auseinander. Die Apokalypse. Das ist das Ende. Zusammen mit den Typen aus Superbad, namentlich Seth Rogen, Jonah Hill, Michael Cera und Christopher Mintz-Plasse, gehts dann etwas drunter und drüber. Die amerikanische Presse überbietet sich momentan mit Lob für die Endzeit-Komödie, die aus der Feder von Seth Rogen stammt. Der versteht es offensichtlich auch, seine Kumpels für kleine Cameos zu begeistert. Emma Watson, Paul Rudd, Channing Tatum, Rihanna und die kompletten Backstreet Boys sind nämlich auch mit am Start.

White House Down, 5. September

Roland Emmerich hat Independence Day gemacht. Alles was danach kam, ob nicht ganz so toll oder schlichtweg schlecht, sei ihm dadurch verziehen. Er lässt gerne das Weiße Haus explodieren, er hat Erfolg mit seinen Filmen und außerdem zwei der momentan gefragtesten Schauspieler Hollywood für seinen neuen Action-Streifen am Start. Außerdem scheint White House Down neben Krawumm auch einiges an Humor zu bieten. Das alles wirkt wie eine Blaupause für den perfekten Sommer-Blockbuster und außerdem – Roland Emmerich hat Independence Day gemacht.

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Das war Teil 1 der kommenden Blockbuster-Parade. Teil 2 folgt im August.