Während die Amerikaner gerade den französischen Schwarzweiß-Stummfilm “The Artist” über den grünen Klee loben und ihn mit Golden Globes und ziemlich sicher auch dem ein oder anderen Oscar überhäufen, erfreuen sich die Deutschen an einem anderen Film aus dem Land der Crêpes und Baguettes. Die französische Komödie “Ziemlich beste Freunde”, welche schon im Produktionsland satte 17 Millionen Zuschauer in die Kinos locken konnte, sorgt auch hierzulande für ausverkaufte Säle.
Dabei ist die Geschichte sehr konventionell, viele würden sie sogar als abgedroschen bezeichnen: Philippe hat alles. Ein riesiges und nobles Eigentum mitten in Paris, einen Maserati, Bedienstete, Privatjet. Geld wie Heu quasi. Was er nicht hat, das kann er sich kaufen. Was sich Philippe allerdings nicht kaufen kann, ist die Fähigkeit, seinen Körper wieder zu bewegen. Denn seit eines Unfalls ist dieser vom Hals abwärts querschnittsgelähmt. Deshalb ist Philippe missmutig, griesgrämig und terrorisiert seine Umwelt, hauptsächlich seine ständig wechselnden Krankenpfleger. Als der vorbestrafte und respektlose Driss vor seinem Rollstuhl steht und eine Unterschrift für das Arbeitsamt verlangt, damit er wieder Geld vom Staat bekommt, wagt Philippe ein Experiment. Gelangweilt und genervt von immer gleichen examinierten Pflegern, stellt er den Taugenichts Driss für einen Monat auf Probe ein. Zuerst irritiert, kann dieser sein Glück kaum fassen, als er das erste mal sein neues Zimmer inklusive luxuriösem Bad in Augenschein nimmt. Was für Beide allerdings noch unfassbarer ist, zeigt “Ziemlich beste Freunde” in den folgenden 112 Minuten.
Unfassbar unerträglich. Ein Film, der aus 1001 Klischees zusammengefrickelt wurde. Der reiche, verbitterte weiße Mann im Rollstuhl. Der kriminelle, perspektivlose schwarze Mann aus der Vorstadt. Zwei komplett unterschiedliche Personen, die sich, zusammengescheucht unter einem Dach, besser kennen und verstehen lernen. Die misstrauische Familie von Philippe, die ihn vor dem Abschaum aus dem Ghetto warnt. Die kaputte Familie von Driss, die überarbeitete Mutter, der straffällige kleine Bruder, die leidenden Schwestern. Zwei gebrochene Seelen ohne großen Lebensmut finden einander und werden…naja…ziemlich beste Freunde. Auf dem Papier liest es sich wie ein schlechter (Vorsicht, Tautologie) Schweiger-Streifen. Denn im Prinzip ist das hier “Keinohrhasen” auf französisch, mit Krüppel, statt Macho. Mit Prolet, statt Nerd. Mit knuffigen Bediensteten statt lispelnden Töchtern vom Til. Was bei “Keinohrhasen” noch funktioniert hat, funktioniert auch bei “Ziemlich beste Freunde” – der Film ist rundum sympathisch.
Es ist ein Wohlfühlfilm, in den sich jeder schnell hineinfinden kann, weil er aus Klischees besteht. Innerhalb von knapp zwei Stunden bewegt man sich auf gewohntem Terrain. Die Geschichte ist sauber abgesteckt. Natürlich zündet der Schwarze dem Weißen einen Joint an. Klischee. Natürlich bringt der Weiße den Schwarzen zurück auf den richtigen Weg. Klischee. Natürlich trennen sich die ziemlich besten Freunde, wie in jedem Buddy-Movie für eine gewisse Zeit, damit es ein herzerwärmendes Wiedersehen geben kann. Klischee. Nicht die Originalität ist hier ausschlaggebend, vielmehr ist der Weg das Ziel. Und auf dem Weg zum Ziel weiß der Film mit vielen lustigen Ideen zu unterhalten und das ein oder andere Klischee wurde außerdem mit einem Augenzwinkern gekürzt. So hört Driss nicht wie selbstverständlich Gangsta-Rap, sondern schwingt sein Tanzbein zu den fröhlichen Kool & and Gang.
Darüber hinaus machen seine Klischees “Ziemlich beste Freunde” zu einem Film, den so ziemlich jede Altersklasse und jedes Geschlecht ziemlich unterhaltsam finden wird. Das hier ist ein Film für die Masse, was aber wiederum keine negative Kritik sein soll. Filme, die man in einem Kino sieht, das bis auf den letzten Platz ausverkauft ist und über die sich tagelang das halbe Büro unterhält, verströmen ihre ganz eigene Magie. Diese Filme verströmen darüber hinaus noch etwas anderes – ein gutes Gefühl. Und es ist wohl kein Zufall, dass in Zeiten von Wirtschaftskrise und revoltierender, französischer Jugend dieses Feelgood Movie 17 Millionen eines Landes bewegen kann, sich in einen Kinosaal zu setzen und die Seele für zwei Stunden lang auszuknipsen, um danach mit einem guten Gefühl wieder nach Hause zu gehen. Als wäre das Happy End noch nicht genug, beruht “Ziemlich beste Freunde” dann auch noch auf einer wahren Begebenheit, was allerdings nicht aufgesetzt wirkt, sondern schlichtweg zum Gesamtbild passt: Ein rundes, sympathisches Stück Film, mit dem man nichts verkehrt macht.
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Januar 30, 2012 um 2:35 am |
Ich stimme dir im allgemeinen zu, allerdings werden hier die Klischees überbewertet. Letztendlich handelt es sich bei “Ziemlich beste Freunde” nicht um eine reine Komödie, sondern um eine Komödie mit dramatischen Elementen, die einen in die Realität zurück holen. Teilweise verhält sich der Film wie ein Drama.
Ich habe ihn gesehen, und da stimme ich dir ebenfalls zu, er ist sehr gut gelungen und funktioniert.