Die letzte Silvesterrakete ist am Nachthimmel verglimmt. Der Neujahrssekt wurde ausgeschenkt. Der Kater danach ist auf dem Sofa auskuriert worden. Was bleibt sind Erinnerungen. Krise, Krieg, Katastrophen. Kino. Zwischen all dem Alltagsbrei konnten wir uns auch 2011 wieder in allerhand Filmwelten verlieren. Und auch wenn man vergeblich nach einem “Avatar”, nach einem “Inception”, nach “Black Swan”, “The King’s Speech” oder “The Social Network” suchte. Das vergangene Kinojahr hatte seine Momente. Nachfolgend küre ich meine persönliche Top 5.
Platz 5: “Attack the Block”
Just another alien-movie? Jein. Natürlich geht es in der kleinen britischen Produktion um Außerirdische. Aber diese Invasion wird hier so herrlich unkonventiell insziniert, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat. Eine Gruppe von Vorstadt-Kids versucht sich in dem Kinodebut von Joe Cornish vor fiesen, 80er-Jahre-Aliens in Sicherheit zu bringen. Der perfekte Mix aus SciFi-Action, Comedy und Horrorelementen ergibt einen kleinen, kurzweiligen Spaß, welcher mir allerdings weitaus besser gefiel, als der Hollywood-Schinken “Super 8″.
Platz 4: “Melancholia”
Drehbuchautor und Regisseur Lars von Trier hatte schon im Vorfeld der Veröffentlichung mit seiner Äußerung, er sei ein Nazi, für Kontroversen gesorgt. Krude PR-Taktik oder nur gedankenlose Dummheit? Egal. Denn “Melancholia” ist und bleibt ein fantastischer Film über die letzten Tage unserer Erde. Grandios fotografiert, faszinierend geschauspielert (Warum Kirsten Dunst nicht für den Golden Globe nominiert ist, muss mir nochmal jemand erklären) und zwischen all dem Weltuntergangsheckmeck mit vielen kleinen Schmunzlern gespickt, entlässt “Melancholia” seine Zuschauer tatsächlich mit einem einzigartigen, melancholischen Gefühl.
Platz 3: “Cheyenne- This Must Be the Place”
Ich habe ein Faible für Tragikomödien. Aber wenn dann noch Sean Penn einen alten, abgehalfterten, gelangweilten Rockstar spielt, der sich mit der Reise nach Mittelamerika viel mehr auf einen Selbstfindungstrip begibt, als auf die Suche nach dem Nazi-Mörder seines Vaters. Und seine Frau von der bezaubernden Frances McDormand gespielt wird. Und der Soundtrack aus Rock und 80er-Jahre-Pop besteht. Was soll da noch schiefgehen?! Richtig. Gar nichts. “Cheyenne” ist eine skurrile, amüsante Ode an das Leben und Sean Penn zum schreien komisch. Ein Feelgoodmovie mit Kult-Charakter.
Platz 2: “Rise of the Planet of the Apes”
Och nee. Sprechende Affen auf Pferden. Schlechtes CGI und eine platte Story aus der Konserve. Das werden sicherlich viele gedacht haben, als sie von “Rise of the Planet of the Apes” gehört haben. Umso positiver durften sich jene überraschen lassen, die den Gang ins Kino nicht gescheut haben. Regisseur-Neuling Rupert Wyatt kreiert mit viel Liebe zum Detail einen der besten Actionfilme des Jahres. Durch das wirklich beeindruckende Motion Capturing drängt Andy Serkis, der den Schimpansen Ceasar spielt, Hauptprotagonist James Franco schon fast in den Schatten. Einfach ein rundes Ding, das verdammt viel Spaß macht.
Platz 1: “Drive” und “Hugo Cabret”
Ryan Gosling. What a man. What a career. Vielen bisher vielleicht lediglich als verschrobener Gummipuppenliebhaber in “Lars und die Frauen” bekannt, dreht er nach “Blue Valentine” 2010 ein Brett nach dem anderen ab: “Drive”, “Crazy, Stupid, Love”, “Ides of March”. Für mich definitiv der Newcomer des Jahres, für den “Drive” das perfekte Newcomer-Vehikel ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein kleiner Crime-Thriller, nicht so episch wie Michael Mann’s Meisterwerk “Heat”, jedoch ebenso eindrücklich. Hier wird nicht viel gesprochen – und doch so viel gesagt. Es wird gefahren, es wird verfolgt, es wird geprügelt, es wird geliebt, es wird gezittert, es wird gelacht, es wird geweint, es wird geblutet. Und das alles in packenden 100 Minuten, die nur so vor Retro-Coolness triefen. Ryan Gosling, Carey Mulligan. Ein vielschichtiger, undurchschaubarer Typ. Eine schöne, zerbrechliche Frau. Harte Typen, rasante Verfolgungsjagden, krasse Gewalt. Unterlegt mit einem 80er-Jahre-Miami-Vice-Gedächtnissoundtrack, den man auch danach gerne über iTunes shuffelt. Ein genialer Film! Ich will die Blu-ray. Jetzt. Sofort!
Nachträglich gesellt sich der neue Film von Martin Scorsese dazu. Warum “Hugo Cabret” so gut ist, schildere ich im Review.
Abgesehen von dieser Top 5 hatte 2011 allerdings auch noch andere sehr gute Streifen im Angebot, die man sich als Filmfreund nicht entgehen lassen sollte. Darunter beispielsweise der unfassbar bildgewaltige “Tree of Life”, ”The Help”, Woody Allen’s ”Midnight in Paris”, der realismustreue ”Contagion”, George Clooney’s spannender, mit scharfen Dialogen bewaffneter ”The Ides of March” und meine Komödie des Jahres: ”Crazy, Stupid, Love”.
Und zum Abschluss möchte ich euch gerne nochmal vor meinem Flop Numero Uno des Jahres 2011 warnen: “Sucker Punch”. Wie infantil, belanglos und langweilig ein Film mit Mädels in Schuluniformen und dampfbetriebenen Nazi-Zombies sein kann, dürft ihr in meinem Review gerne nachlesen.

Februar 12, 2012 um 12:51 pm |
[...] stellt sich nachträglich (zusammen mit “Drive”), auf das oberste Plätzchen meiner Top Five 2011 in Movies. Anschaubefehl! Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post [...]