Thriller aus der Kategorie: Tom Wilkinson spielt mit

Hurra, hurra! Ein neuer Spionagethriller ist da! Häufig gibt es ja zwei Sorten dieses Genres. Der moderne, actionreiche, schnell geschnittene Spionagethriller: “The Departed”, “Bourne Identity”, “James Bond”. Und der kluge, besonnene, auf die Historie verweisende Spionagethriller: “Das Leben der Anderen”, “Fair Game”. Der im Folgenden rezensierte “The Debt” zählt sich eher zu letzterer Gattung.

Drei israelische Mossad-Agenten kommen im alten Ost-Berlin der 60er Jahre zusammen, um den Kriegsverbrecher und Nazi-Doktor Dieter Vogel zu entführen. Der Film springt fortan zwischen zwei Zeitsträngen hin und her und zeigt das junge Trio im Nachkriegsdeutschland, sowie das gealterte und als Nationalhelden gefeierte Trio 30 Jahre später. Friede, Freude, Falafel also. Jedenfalls so lange, bis die alten und als Bestseller verschriftlichen Geschichten die Protagonisten erneut in ihre alten Agentenmuster zurückfallen lassen.

Ähnlich wie die anfangs erwähnten “Das Leben der Anderen” und “Fair Game”, braucht auch “The Debt” ein wenig Zeit, damit man sich als Zuschauer im Film zurechtfindet. Drei unterschiedliche Charaktere werden eingeführt, die sich aber zu sechs verschiedenen Gesichtern zusammensetzen, weil zweierlei Zeitebenen beleuchtet werden. Wer mit wem und warum eigentlich. Doch das macht der Film, abgesehen von einer nicht existenten Ähnlichkeit zwischen den jungen und den alten Figuren (mit Ausnahme von Helen Mirren vielleicht), recht gut. Ansonsten werden die Protagonisten sehr souverän eingeführt, allen voran der Nazi-Doktor Dieter Vogel, der mit dem Satz “das ist meine Hand und das ist das Spekulum” für das eine oder andere aufgestellte Nackenhaar sorgt.

So breitet sich der Plot denn Stück für Stück vorm Publikum aus, was gerade bei den Szenen im Berliner Versteck mitunter sehr unterhaltsam ist. “The Debt” scheut dann allerdings auch nicht davor zurück, immer wieder zu Helen Mirren und Tom Wilkinson vor zu switchen und somit eine Menge Tempo aus der Geschichte zu nehmen, um dann erneut per Flashback vor zu switchen. Das macht den Film stellenweise sehr zäh und langsam und wirft die Frage auf, ob es hier nicht eine bessere, geradlinigere Lösung gegeben hätte. Gerade weil Drehbuchautor Matthew Vaughn mit Streifen, wie “Kick-ass” oder “Layer Cake”, bereits sein Können bewiesen hat. Und auch Regisseur John Madden (“Shakespeare in Love”) sollte unter gegebenen Umständen dazu in der Lage sein, diese Thematik intensiver und mit mehr Thrill zu verfilmen. Doch gerade im zweiten Teil des Films knickt der Spannungsbogen rapide ab und entlässt die Zuschauer mit einem sehr lahmen Ende.

Vielleicht will “The Debt” aber auch einfach zu viel: Spionagethriller, Historienfilm, Charakterstudie, Kammerspiel… Die Thematik hätte jedenfalls mehr hergegeben, als schlussendlich dabei herausgekommen ist. Denn im Endeffekt geht es hier um drei Agenten und einen Kriegsverbrecher und das Verhältnis aller Beteiligten zueinander. Drumherum zwei, drei Actionszenen und ein Hauch Nazi-Pathos. Fertig. Was bleibt, ist zwar durchaus ein netter und solider Thriller mit zwei herausragenden Schauspielerinnen (Helen Mirren und Jessica Chastain). Der jedoch so auch problemlos im Montagskino des ZDF zu genießen ist. Ins Kino muss man hierfür nämlich nicht.

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