Es ist schon ein wenig skurril, dass wir offensichtlich dazu übergegangen sind, seit zwei Jahren jede neue Komödie sofort mit “Hangover” zu vergleichen. “Ohja, Due Date war zwar amüsant, aber doch wohl nur eine Art Zach-Galifianakis-Spin-off.” “Date Night?! Ja, haha, witzig. Frauen können ja auch komisch sein, aber Hangover war viel besser.” Irgendwie verständlich, bewegt sich die Komödie seit Juli 2009 doch zwischen derbem Will-Farell-Humor á la “The Other Guys” und ideenlosem Einheitsfraß, wie “The Proposal” oder “Grown Ups”. Genre-Leckerlies, wie “Tucker & Dale vs. Evil” mal außen vor genommen. Was fehlt: DIE Mainstream-taugliche Komödie des Kinosommers.
Doch als hätte Hollywood ein solches Stoßgebet erhört, kommt dieser Tage der US-Streifen “Horrible Bosses” um die Walk-of-Fame-Ecke gebogen. Kevin Spacey, Colin Farell, Jennifer Aniston, Jamie Foxx, Jason Bateman. Hui, wie sich das liest. Dass letzterer übrigens die neue erste Wahl für quengelige Figuren mit fast gescheiterten Filmexistenzen zu sein scheint, trifft sich gut. Denn Jason Bateman spielt hier den 0815-Angestellten, der sich seit Jahren beim Chef einschleimt, um dann möglicherweise mal befördert zu werden. Blöd nur, wenn der Chef ein Arschlosch ist und es zu dieser Beförderung möglicheweise nie kommen wird. Nach einem weiteren K.O.-Tag im Büro beschließt Bateman, zusammen mit seinen zwei besten Freunden (die gleichermaßen von ihren Chefs (sexuell) penetriert malträtiert werden), aus einer Bierlaune heraus und rein hypothetisch, ihre “Horrible Bosses” still und heimlich abzumurksen.
Soweit, so schön. Eine dubiose Idee. Ein hochkarätiger Cast. Zwei essentielle Zutaten für eine spaßige Komödie. Da aller guten Dinge jedoch drei sind, sollte man Regisseur Seth Gordon nicht unerwähnt lassen. Dieser hat sich bisher mit so exquisiten TV-Formaten, wie “The Office” oder “Community” beschäftigt, was diesem Anderthalbstünder nur zu Gute kommt. Denn in welcher Situationskomik sich das Trio hier immer wieder verfängt, kann nur dem Können eins Sitcom-Regisseurs geschuldet sein. Da reicht das Spektrum von peinlichen Privatkillerbegegnungen, über erotische Zahnarztpraxiseskapaden, bishin zu einer endlos währenden Wohnzimmer-Koks-Szene.
Es ist eine Wonne! Was “Horrible Bosses”, neben den extrem absurden Szenen, so liebenswert macht, sind die fantastisch besetzten Antagonisten – die Chefs. Denn eigentlich will man von Anfang an nur sehen, wie Jennifer Aniston die nächste Sexkapade anzettelt, wie Colin Farell sich seine schmierige Strähne von der Stirn wischt und wie Kevin “the king of drama” Spacey einen weiteren Wutausbruch bekommt. Artig im Kinosessel hat man zwar Mitleid mit dem Bateman-Trio, freut sich doch aber insgeheim immer wieder diabolisch, wenn einer der Drei durch die Arbeitshölle schreiten muss.
Mehr muss man zu “Horrible Bosses” dann auch gar nicht mehr sagen. Man soll ihn sich einfach angucken. Und Spaß haben. Denn es ist der beste Mainstream-Spaß dieses Kinosommers. So witzig, dass man danach fast vergisst, ihn mit “Hangover” zu vergleichen.
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