Ich muss gestehen, dass ich nie ein großer Planet-der-Affen-Fan war. Natürlich kenne ich das Original mit Charlton Heston aus dem Jahr 1968. Auch das Burton-Remake von 2001 ist mir (leider) ein Begriff. Generell flasht mich die Thematik allerdings nicht so, dass mich der Trailer vom aktuellsten Aufguss himmelhochjauchzend vom Kinosessel springen ließ.
Und das ging anscheinend den meisten Filmfreunden so. Denn der aktuelle Tenor bewegte sich doch immer zwischen einem belanglosen „uff, wenn’s denn sein muss“ und einem naserümpfenden „uff, muss das denn sein“. Die Tatsache, dass man Hollywood-Star James Franco und Hollywood-Sternchen Freido Pinto für die Hauptrollen besetzte und die Chose dem relativ unbekannten Regisseur Rupert Wyatt unter den Arm klemmte, ließen die Erwartungen für „Rise of the Planet of the Apes“ auf niedrigem Niveau vor sich herdümpeln.
Was dann schlussendlich tatsächlich mit einer der größten Trümpfe des Films ist. Der Stoff ist veraltet, der Trailer war schlecht, das Licht geht aus, eine Erwartungshaltung ist nicht vorhanden. Gut so! Denn wie Rupert Wyatt sein Prevolution-Prequel aufbaut ist wirklich außerordentlich unterhaltsam. Der Film führt James Franco als Protagonisten ein. Er spielt den Wissenschaftler Will Rodman, der in einem großen Labor an einem neuen Mittel gegen Alzheimer forscht – natürlich an Affen. Nachdem ein Experiment schief läuft und die Versuchsreihe eingestellt wird, nimmt Rodman einen kleinen Babyaffen mit zu sich nach Hause, den er und sein an Alzheimer erkrankter Vater fortan aufziehen. Im Laufe der Jahre wird der kleine Caeser einerseits immer größer, andererseits auch immer intelligenter. Das Serum, an dem Rodman gearbeitet hat, scheint aller Fehlversuche zum trotz bei Ceaser zu wirken. Von diesem Erfolg getrieben, forscht er weiter, vernachlässigt dabei aber die Aufsicht des Affen, was eine bedeutsame Kettenreaktion zur Folge hat.
Was sich auf dem Papier recht unspektakulär liest, mutiert auf der großen Leinwand zum besten Vertreter des sogenannten alljährlichen Sommerkinos. Was in erster Linie an der spektakulären Tricktechnik liegt. „Rise of the Planet of the Apes“ wurde mit echten Affen und mit CGI-Affen gedreht. Der Unterschied ist nicht zu definieren. Wie schon bei „King Kong“ oder „Lord of the Rings“ mimt Andy Serkis einen animierten Charakter, der eine tragende Rolle im Film spielt. Hier haucht er also dem Menschenaffen Caeser eine große Portion schauspielerisches Leben ein, sodass man seit langer Zeit wieder einmal Empathie für ein künstliches Wesen empfindet.
Sowieso vollführt Wyatt hier im Film einen Paradigmenwechsel. Anfangs setzt er noch stark auf seine menschlichen Schauspieler, wie James Franco oder John Lithgow, doch je länger der Film voranschreitet, desto mehr rückt er die Affen in den Mittelpunkt. Was ja bei einem Titel „Planet der Affen“ durchaus Sinn macht. Dennoch ist es ein kaum spürbarer, sehr angenehmer und doch starker Wandel, der die Geschichte tatsächlich aus dem Blickwinkel der Affen erzählt. Und da ist es wirklich erstaunlich, wie Regisseur Rupert Wyatt es schafft, einige der besten Dialoge im Film anhand der Kommunikation von Affen zu platzieren. Diese Kommunikation erfolgt entweder durch Zeichensprache oder aber durch bloße Mimik, was erneut für die fantastische Tricktechnik spricht. Jene kann natürlich auch in diversen Actionsequenzen überzeugen, eine der besten und erwähnenswertesten ist hierbei sicherlich eine imposante Golden-Gate-Bridge-Szene. Noch erfreulicher macht ein solches Spektakel dann nur noch die Tatsache, dass man sich zwischenzeitlich nicht über einen schlechten 3D-Effekt ärgern muss – weil der Streifen erst gar nicht in 3D produziert worden ist. Dass dann sogar das Ende richtig gut gelungen ist, schließt dieses filmische Vergnügen gekonnt ab.
Insgesamt ist es dann irgendwie der Mix aus allem: die anfänglich niedrige Erwartungshaltung, die sehenswerten CGI-Effekte, ein paar augenzwinkernde Referenzen zu den Vorgängern, der unterhaltsame Plot und der interessante Hauptcharakter Caeser. Alles das macht „Rise of the Planet of the Apes“ zu einem Überraschungshit, den man sich auf jeden Fall im Kino anschauen sollte, falls man noch die Möglichkeit dazu hat. Auch flammt meine Hoffnung auf gute Prequels/Sequels in Zukunft wieder ein bisschen auf, denn anscheinend geht das ja doch. Dass nach dem guten Einspielergebnis sofort Verlautbarungen aufkamen, eine Trilogie zu entwickeln, stört mich obendrein eher weniger. Man muss auch einfach mal froh sein, endlich wieder einen richtig guten und runden Actionfilm gesehen zu haben.
Tags: action, film, james franco, Kino, planet der affen, prequel, prevolution, rise of the planet of the apes, rupert wyatt, uci bad oeynhausen
Januar 7, 2012 um 9:56 pm |
[...] ins Kino nicht gescheut haben. Regisseur-Neuling Rupert Wyatt kreiert mit viel Liebe zum Detail einen der besten Actionfilme des Jahres. Durch das wirklich beeindruckende Motion Capturing drängt Andy Serkis, der den Schimpansen Ceasar [...]