Fünf Freunde meets Cloverfield

Vor ein paar Tagen habe ich mir, sozusagen als Vergleichsmöglichkeit, eine von Steven Spielbergs ersten Regiearbeiten angesehen. “E.T. – Der Außerirdische” aus dem Jahr 1982. Über 115 Minuten entwickelt Spielberg hier eine magische Geschichte, die schlicht und ergreifend herzerwärmend ist. Nicht plump, nie langweilig und mit einer einzigartigen Gänsehaut-Atmosphäre. Fast 30 Jahre später versucht Steven Spielberg den Glanz dieser Filmepoche wieder auf die große Leinwand zu zaubern. Für seinen Versuch setzt er einen talentierten Jung-Regisseur hinter die Kamera -  J.J. Abrams, Schöpfer von “Alias” und “Lost”.

Wenn das Licht im Kinosaal ausgeht, der 35-MM-Streifen auf die Leinwand projiziert wird und diese erste Szene von “Super 8″ läuft, dann spürt man sofort etwas von dieser 80er-Jahre-Atmosphäre. Die Kamera fokussiert eine riesige Tafel in einer Fabrikhalle. “Tage seit dem letzten Unfall” steht darauf. Ein Mitarbeiter nimmt gerade alle drei Ziffern ab, um an die Tafel eine verheissungsvolle 1 zu hängen. Diese kurze Anfangsszene könnte lakonischer kaum sein und gerade deshalb erzeugt sie diese gewisse Stimmung – hier ist etwas passiert und euch wird jetzt die Geschichte dazu erzählt.

Und dann filmt Abrams alles durch den Spielberg’schen Filter: 1797. Rockmusik. Sommer in einer Kleinstadt. Eine Gruppe Kinder auf BMX-Rädern. Es ist, als wäre man in eine Zeitmaschine gestiegen und im Kino der 80er wieder ausgestiegen. Abrams zaubert alten und schon längst vergessenen Glanz. Es geht nun also um die fünf Freude Joe, Charles, Cary, Martin und Preston, die in den Sommerferien einen Amateur-Zombiefilm mit einer alten Super-8-Kamera drehen wollen. Ein quirliges Ensemble, das sich permanent gegenseitig Sprüche an die Köpfe wirft, das unschuldig über dies und das spricht, das aus verschiedenen Charakteren besteht, das Spaß macht. Es ist wie eine dieser ersten Szene in “E.T.”, als Elliott, Michael, Gertie und ein paar Schulfreunde am Küchentisch sitzen und sich Pizza bestellen. Eine unbefangene Gruppe von Kindern, die ausgelassen den Sommer genießen und bei denen man sich an seine eigene Kindheit erinnert.

Abrams gelingt es in dieser ersten halbe Stunde von “Super 8″ tatsächlich, eine ganz spezielle Atmosphäre herzustellen. Diese gipfelt, als das Gespann zusammen mit der etwas ältere Alice eine Szene an einem Bahngleis dreht. Alice legt hier eine dermaßen intensive Performance ab, dass nicht nur den Jungs der Atem stockt, sondern auch den Zuschauern im Kinosessel. Die Szene wird jäh unterbrochen von einem Zugunglück, dem Abrams kaum mehr seinen Stempel hätte aufdrücken können. Es scheppert und kracht, jeder Waggon scheint einzeln zu explodieren, Eisenteile fliegen durch die Luft und schlagen nur wenige Zentimeter neben den Protagonisten ein. Das ist keine 80er-Jahre-Action, das ist feinstes Abrams-Star-Trek-Effektfeuerwerk und Spielberg-Transformers-Krawumm. Und das stört. Wenn schon so einen Film drehen, dann bitte auch den Mut haben, CGI gänzlich außen vor zu lassen und durch echte Explosionen und Modelle zu ersetzen.

Das gilt dann auch für das Wesen, welches durch das Zugunglück den Weg in die Freiheit beziehungsweise die Kleinstadt gefunden hat. Zwar hört man es bis zum Ende immer nur oder sieht es ganz kurz (in unverkennbarer Lost-Manie), aber schon früh hegt man im Stillen den Verdacht, dass hier ein stereotypes Kinomonster der Neuzeit an allerlei mysteriöser Vorfälle Schuld ist. Diese aufzuklären ist auch das Bestreben der Gruppe und so begleitet man sie auf ihrem Abenteuer. Das ist die zweite Hälfte über auch recht unterhaltsam, büßt durch die Special-Effects jedoch viel vom anfänglichen Glanz ein. Bis das ernüchternde Ende von “Super 8″ den Film zu einem doch ganz normalen Kinoabenteuer werden lässt. Wieder einmal scheint Spielberg und Abrams der Mut gefehlt zu haben, denn das Wesen aus dem Zug könnte kaum uninspirierter aussehen. Vielleicht ist es sogar noch ein Modell von “Cloverfield”, den Abrams seiner Zeit mitproduziert hat. Es wäre nicht verwunderlich.

Ist denn der Versuch, an den alten Spielberg der 80er anzuknüfen gelungen? Zum Teil vielleicht, ja. Gerade die erste Hälfte von “Super 8″ schafft dies. Es ist der Versuch, die Atmosphäre von “E.T.”, “Goonies” und “Gremlins” wiederherzustellen. Doch eine Kombination aus dieser magischen Filmepoche und dem heutigen CGI-Popkornkino gelingt nicht. Dessen mussten sich Zuschauer bereits bei “Indiana Jones” oder “Star Wars 1-3″ schmerzlich bewusst werden. Und so verkommt “Super 8″ im weiteren Verlauf zu einer Mischung aus “Fünf Freunde” und “Cloverfield”, was unterm Strich zwar unterhaltsam ist, aber nicht das erhoffte Endprodukt.

P.S.: Bleibt sitzen! Der Abspann entschädigt für vieles, was Abrams/Spielberg falsch gemacht haben.

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2 Antworten zu „Fünf Freunde meets Cloverfield“

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    [...] Just another alien-movie? Jein. Natürlich geht es in der kleinen britischen Produktion um Außerirdische. Aber diese Invasion wird hier so herrlich unkonventiell insziniert, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat. Eine Gruppe von Vorstadt-Kids versucht sich in dem Kinodebut von Joe Cornish vor fiesen, 80er-Jahre-Aliens in Sicherheit zu bringen. Der perfekte Mix aus SciFi-Action, Comedy und Horrorelementen ergibt einen kleinen, kurzweiligen Spaß, welcher mir allerdings weitaus besser gefiel, als der Hollywood-Schinken „Super 8″. [...]

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