Die Kunst zu überzeugen – Moneyball

Januar 19, 2012

Manchmal muss man für wirklich gute Filme Opfer bringen. Zuletzt beispielsweise für den ersten Platz meiner Top Five in Movies 2011 – „Drive“. Dieser lief nämlich knapp fünf Monate nach Release in den USA und circa vier Monate vor offiziellem Deutschlandstart für wenige Glückliche in der Sneak Preview. Ein ähnliches Schicksal ereilt „Moneyball“. Bereits im September konnten US-Amerikaner ein Kinoticket lösen, deutsche Filmfans müssen sich dagegen noch bis Februar gedulden. Es sei denn, sie bringen ein Opfer. Und sehen ihn sich in der Sneak an. Zwischen nervtötenden Teenies, angetrunkenen Arschlöchern und dem Mainstream-Pöbel. Hut ab, für Filme, die trotzdem überzeugen können.

Es ist das klassische Sportlerdrama. Die Underdog-Geschichte. Billy Bean ist Manager des Oakland A’s Baseball Teams und muss nach einer schmerzlichen Saisonniederlage ein neues Team zusammenstellen. Dafür wird im das niedrigste Budget der gesamten Liga zur Verfügung gestellt. Keine leichte Aufgabe für Billy also, bei dem die Schmach des vergangenen Spiels tiefe emotionale Wunden hinterlassen hat. Gelangweilt und frustriert sitzt er mit seinen Scouts zusammen, teilnahmslos bei Brainstormings über potentielle neue Spieler und trifft sich dann und wann mit anderen Clubs zu Verhandlungen. Bei einem dieser Meetings macht er die Bekanntschaft mit dem jungen Peter Brand. Jale-Absolvent, Wirtschaftswissenschaftler, Baseball-Fan, Analyst. Bei einem Gespräch zwischen Tür und Angel beeindruckt Peter Billy so sehr mit Daten, Zahlen und Fakten, dass er ihn kurzerhand den Cleveland Indians abkauft und zu seinem persönlichen Assistenten macht. Billy glaubt an Peters neuartige Analyse-Methoden, ändert seine Strategie vollkommen, eckt damit bei jedem im Oakland-Team an, stellt trotzdem eine Mannschaft auf und hofft auf den großen Sieg.

Es funktioniert jedes Mal. Die Underdog-Geschichte. Das klassische Sportlerdrama. Ein kleines Team, beschnittene Mittel, und trotzdem – der große Wurf. In diesem Falle jedoch eher der große Schlag. Ein Homerun. Alles oder nichts. Manager Billy Bean wird im Film nicht müde zu betonen: „How could you not be romantic about Baseball?“ Ich persönlich sehe diese Romantik nicht. Ich habe mir noch nie freiwillig Baseball angesehen und ich habe es auch nicht vor. Dieser Sport interessiert mich nicht. Und ich kenne mich weder mit den Regeln, den Spielern oder den Teams aus. Dieser Antipathie zum Trotz hat es „Moneyball“ geschafft, dass ich mich über zwei Stunden lang für das Ende einer wahren Baseball-Begebenheit interessiert habe. Mehr noch, ich habe mit dem Hauptprotagonist gelitten, gezittert und gelacht. „Moneyball“ hat mich entertaint. Was will ein Film mehr erreichen?

Entertainment und Baseball passen für mich eigentlich nicht zusammen. Und doch gelingt es Regisseur Bennett Miller (übrigens eher ein Underdog in Hollywood) fabulös, obwohl der Film in weiten Teilen aus langen Dialogen besteht. Es wird viel geredet in „Moneyball“. Der Manager mit den Scouts. Die Scouts mit den Spielern. Die Spieler mit dem Manager. Der Manager mit anderen Managern. Bestimmt die Hälfte der Zeit sitzt Brad Pitt an einem Konferenztisch oder vor einem Telefon oder in einem Meeting und diskutiert. Aber die Diskussion sind voller Herz und Humor, gut geschrieben und hervorragend inszeniert, sodass man als Zuschauer stets am Ball bleiben will. Viel Screentime wird übrigens auch dem Prozess der Spieleranalyse gewidmet. Zahlen, Gleichungen, Rechnungen. Und das erinnert nicht ohne Grund sehr stark an den exzellenten „The Social Network“. Denn am Drehbuch hat Aaron Sorkin mitgeschrieben, der auch schon das Screenplay für den letzten brillianten Fincher Streifen aufpolierte. Ähnlich wie im Facebook-Film, der viel Augenmerk auf die Gerichtsverhandlungen und das Programmieren der Website legt, fokussiert sich „Moneyball“ auf Spielerverhandlungen und die Analyse. „The Social Network“ und „Moneyball“ haben starke Ähnlichkeiten, was das Drehbuch angeht und das ist positive Kritik. Aufgelockert wird das Sportler-Kauderwelsch mit einigen Lachern, vor allem aber mit herzerwärmenden Szenen zwischen Brad Pitt und seiner Film-Tochter Kerris Dorsey. Und genauso wie in „The Social Network“, wo Mark Zuckerberg in der letzten Szene seine Menschlichkeit unter Beweis stellt und auf seine eigene Art und Weise eine Freundschaftsanfrage bzw. ein Friedensangebot an sein Ex-Freundin stellt, entscheidet sich auch „Moneyball“ in der entscheidenden Szene im Diskurs zwischen Zahlen und Gefühlen für letzteres.

Neben dem wirklich ausgesprochen gutem Drehbuch vergisst man dann fast, Brad Pitt zu erwähnen, der die Botschaft dieses Films eigentlich im Alleingang transportiert. Natürlich tragen ein kaum wiederzuerkennender Phillipp Seymour Hoffman als Oakland-Trainer und Jona Hill in seiner, soweit ich mich erinnern kann, ersten Drama-Rolle beträchtlich dazu bei, „Moneyball“ – „based on a true story“ Authentizität zu verleihen. Aber Brad Pitt stellt ein Mal mehr unter Beweis, dass er ein hervorragender Schauspieler ist. Und viel mehr, als dieses schauspielerische Trio Infernal und einem höllisch guten Drehbuch braucht es dann am Ende auch nicht, um „Moneyball“ zu einem sehr unterhaltsamen Film und einem außergewöhnlich interessanten Sportlerdrama zu machen. Go see it!

2011 in Movies – meine Top 5

Januar 7, 2012

Die letzte Silvesterrakete ist am Nachthimmel verglimmt. Der Neujahrssekt wurde ausgeschenkt. Der Kater danach ist auf dem Sofa auskuriert worden. Was bleibt sind Erinnerungen. Krise, Krieg, Katastrophen. Kino. Zwischen all dem Alltagsbrei konnten wir uns auch 2011 wieder in allerhand Filmwelten verlieren. Und auch wenn man vergeblich nach einem „Avatar“, nach einem „Inception“, nach „Black Swan“, „The King’s Speech“ oder „The Social Network“ suchte. Das vergangene Kinojahr hatte seine Momente. Nachfolgend küre ich meine persönliche Top 5.

Platz 5: „Attack the Block“

Just another alien-movie? Jein. Natürlich geht es in der kleinen britischen Produktion um Außerirdische. Aber diese Invasion wird hier so herrlich unkonventiell insziniert, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat. Eine Gruppe von Vorstadt-Kids versucht sich in dem Kinodebut von Joe Cornish vor fiesen, 80er-Jahre-Aliens in Sicherheit zu bringen. Der perfekte Mix aus SciFi-Action, Comedy und Horrorelementen ergibt einen kleinen, kurzweiligen Spaß, welcher mir allerdings weitaus besser gefiel, als der Hollywood-Schinken „Super 8″.

Platz 4: „Melancholia“

Drehbuchautor und Regisseur Lars von Trier hatte schon im Vorfeld der Veröffentlichung mit seiner Äußerung, er sei ein Nazi, für Kontroversen gesorgt. Krude PR-Taktik oder nur gedankenlose Dummheit? Egal. Denn „Melancholia“ ist und bleibt ein fantastischer Film über die letzten Tage unserer Erde. Grandios fotografiert, faszinierend geschauspielert (Warum Kirsten Dunst nicht für den Golden Globe nominiert ist, muss mir nochmal jemand erklären) und zwischen all dem Weltuntergangsheckmeck mit vielen kleinen Schmunzlern gespickt, entlässt „Melancholia“ seine Zuschauer tatsächlich mit einem einzigartigen, melancholischen Gefühl.

Platz 3: „Cheyenne- This Must Be the Place“

Ich habe ein Faible für Tragikomödien. Aber wenn dann noch Sean Penn einen alten, abgehalfterten, gelangweilten Rockstar spielt, der sich mit der Reise nach Mittelamerika viel mehr auf einen Selbstfindungstrip begibt, als auf die Suche nach dem Nazi-Mörder seines Vaters. Und seine Frau von der bezaubernden Frances McDormand gespielt wird. Und der Soundtrack aus Rock und 80er-Jahre-Pop besteht. Was soll da noch schiefgehen?! Richtig. Gar nichts. „Cheyenne“ ist eine skurrile, amüsante Ode an das Leben und Sean Penn zum schreien komisch. Ein Feelgoodmovie mit Kult-Charakter.

Platz 2: „Rise of the Planet of the Apes“

Och nee. Sprechende Affen auf Pferden. Schlechtes CGI und eine platte Story aus der Konserve. Das werden sicherlich viele gedacht haben, als sie von „Rise of the Planet of the Apes“ gehört haben. Umso positiver durften sich jene überraschen lassen, die den Gang ins Kino nicht gescheut haben. Regisseur-Neuling Rupert Wyatt kreiert mit viel Liebe zum Detail einen der besten Actionfilme des Jahres. Durch das wirklich beeindruckende Motion Capturing drängt Andy Serkis, der den Schimpansen Ceasar spielt, Hauptprotagonist James Franco schon fast in den Schatten. Einfach ein rundes Ding, das verdammt viel Spaß macht.

Platz 1: „Drive“

Ryan Gosling. What a man. What a career. Vielen bisher vielleicht lediglich als verschrobener Gummipuppenliebhaber in „Lars und die Frauen“ bekannt, dreht er nach „Blue Valentine“ 2010 ein Brett nach dem anderen ab: „Drive“, „Crazy, Stupid, Love“, „Ides of March“. Für mich definitiv der Newcomer des Jahres, für den „Drive“ das perfekte Newcomer-Vehikel ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein kleiner Crime-Thriller, nicht so episch wie Michael Mann’s Meisterwerk „Heat“, jedoch ebenso eindrücklich. Hier wird nicht viel gesprochen – und doch so viel gesagt. Es wird gefahren, es wird verfolgt, es wird geprügelt, es wird geliebt, es wird gezittert, es wird gelacht, es wird geweint, es wird geblutet. Und das alles in packenden 100 Minuten, die nur so vor Retro-Coolness triefen. Ryan Gosling, Carey Mulligan. Ein vielschichtiger, undurchschaubarer Typ. Eine schöne, zerbrechliche Frau. Harte Typen, rasante Verfolgungsjagden, krasse Gewalt. Unterlegt mit einem 80er-Jahre-Miami-Vice-Gedächtnissoundtrack, den man auch danach gerne über iTunes shuffelt. Ein genialer Film! Ich will die Blu-ray. Jetzt. Sofort!

Abgesehen von dieser Top 5 hatte 2011 allerdings auch noch andere sehr gute Streifen im Angebot, die man sich als Filmfreund nicht entgehen lassen sollte. Darunter beispielsweise der unfassbar bildgewaltige „Tree of Life“, “The Help“, Woody Allen’s “Midnight in Paris“, der realismustreue “Contagion“, George Clooney’s spannender, mit scharfen Dialogen bewaffneter “The Ides of March“ und meine Komödie des Jahres: “Crazy, Stupid, Love“.

Und zum Abschluss möchte ich euch gerne nochmal vor meinem Flop Numero Uno des Jahres 2011 warnen: „Sucker Punch“. Wie infantil, belanglos und langweilig ein Film mit Mädels in Schuluniformen und dampfbetriebenen Nazi-Zombies sein kann, dürft ihr in meinem Review gerne nachlesen.

Der bessere Super 8

September 20, 2011

Dass mit dem Thema Alien-Invasion immer noch sehr unterhaltsame Filme entstehen können, hat zuletzt Neill Blomkamp mit seinem fantastischen „District 9″ unter Beweis gestellt. Eine gute Idee, ein talentierter Jung-Regisseur, ein kleines Budget und relativ unbekannte Schauspieler scheinen hier irgendwie einen Trend zu markieren. Denn gleiche Merkmale weist auch „Attack the Block“ auf.

Der Film führt als Protagonisten eine Gruppe von Teenagern ein, die im südlichen London am Silvesterabend um ihren Block ziehen und jede Menge Unheil stiften. Eine Gang von Halbstarken, denen man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte. Doch genau das passiert der Krankenschwester Sam, die von der Bande ausgeraubt wird. Es braucht schon einen guten Film, um Charaktere so zu zeichnen, dass man sich gerne in sie hineinversetzt. Doch es braucht einen großartigen Film, der seine Protagonisten als Fieslinge einführt, die einem im Verlauf des Films dann aber doch sympathisch werden.

Generell macht „Attack the Block“ so vieles richtig. Anders als in großen Hollywood-Produktionen und an das schmale Budget von 13 Millionen Dollar geknüpft, fokussiert der Film nur das Geschehen um einen einzigen Häuserblock herum und konzentriert sich auf eine Hand voll Figuren. Da, wo J.J. Abrams in „Super 8″ das Militär und die Nationalgarde aufmarschieren ließ, fahren in „Attack the Block“ gerade mal zwei Streifenpolizisten vor. Was gut ist. Denn somit entsteht eine viel dichtere Atmosphäre und die Beziehung zu den Schauspielern ist deutlich intimer. Auch traut sich Regisseur Joe Cornish mit seinen Charakteren (die im Prinzip alle noch Kinder sind) wesentlich erwachsener umzugehen, als es „Super 8″ getan hat. Und wo J.J. Abrams die 80er-Jahre-Liebhaber mit einem schlecht-animierten CGI-Monster aus der Konserve verärgert hat, gibts in „Attack the Block“ nur die Umrisse, nur die Idee, nur den Schatten von angepissten Aliens zu sehen, was erheblich wirkungsvoller und cooler ist.

In „Attack the Block“ passiert so viel in so wenig Zeit, dass man kaum bemerkt, wie die 88 Minuten über die Leinwand flimmern. Das ist einerseits unterhaltsam, andererseits durchaus bemerkenswert, wenn man an die örtlichen Rahmenbedingen denkt: ein Block, eine Straße, ein Hochhaus. Größer ist der Radius nicht, in dem sich Cornish Charaktere bewegen. Dennoch springt der Film von Schauplatz zu Schauplatz, immer im perfekten Pacing: Thrill, Gags und Horror. Alles ist super abgemischt und ergibt zusammengenommen eine großartige Actionkomödie, in der dann nicht zuletzt auch die Schauspieler beeindrucken. Allen voran Hauptdarsteller John Boyega als Moses, von dem man in Zukunft sicherlich noch einiges sehen wird. Als wäre das alles nicht genug, fügt sich dann natürlich auch der psychedelische  Soundtrack von Basement Jaxx vollkommen natürlich in dieses handwerklich makellose Filmkonstrukt.

„Attack the Block“ ist eine Überraschung und wirkt deshalb umso besser. Eine kleine, aber sehr feine Actionkomödie, die hinter „Tucker & Dale vs. Evil“ auf den forderen Plätzen der am kurzweiligsten Filme dieses Jahres steht. Schaut ihn euch an, solange er noch im Kino läuft. Ihr werdet eine Menge Spaß mit dem Ding haben!

Thriller aus der Kategorie: Tom Wilkinson spielt mit

September 16, 2011

Hurra, hurra! Ein neuer Spionagethriller ist da! Häufig gibt es ja zwei Sorten dieses Genres. Der moderne, actionreiche, schnell geschnittene Spionagethriller: „The Departed“, „Bourne Identity“, „James Bond“. Und der kluge, besonnene, auf die Historie verweisende Spionagethriller: „Das Leben der Anderen“, „Fair Game“. Der im Folgenden rezensierte „The Debt“ zählt sich eher zu letzterer Gattung.

Drei israelische Mossad-Agenten kommen im alten Ost-Berlin der 60er Jahre zusammen, um den Kriegsverbrecher und Nazi-Doktor Dieter Vogel zu entführen. Der Film springt fortan zwischen zwei Zeitsträngen hin und her und zeigt das junge Trio im Nachkriegsdeutschland, sowie das gealterte und als Nationalhelden gefeierte Trio 30 Jahre später. Friede, Freude, Falafel also. Jedenfalls so lange, bis die alten und als Bestseller verschriftlichen Geschichten die Protagonisten erneut in ihre alten Agentenmuster zurückfallen lassen.

Ähnlich wie die anfangs erwähnten „Das Leben der Anderen“ und „Fair Game“, braucht auch „The Debt“ ein wenig Zeit, damit man sich als Zuschauer im Film zurechtfindet. Drei unterschiedliche Charaktere werden eingeführt, die sich aber zu sechs verschiedenen Gesichtern zusammensetzen, weil zweierlei Zeitebenen beleuchtet werden. Wer mit wem und warum eigentlich. Doch das macht der Film, abgesehen von einer nicht existenten Ähnlichkeit zwischen den jungen und den alten Figuren (mit Ausnahme von Helen Mirren vielleicht), recht gut. Ansonsten werden die Protagonisten sehr souverän eingeführt, allen voran der Nazi-Doktor Dieter Vogel, der mit dem Satz „das ist meine Hand und das ist das Spekulum“ für das eine oder andere aufgestellte Nackenhaar sorgt.

So breitet sich der Plot denn Stück für Stück vorm Publikum aus, was gerade bei den Szenen im Berliner Versteck mitunter sehr unterhaltsam ist. „The Debt“ scheut dann allerdings auch nicht davor zurück, immer wieder zu Helen Mirren und Tom Wilkinson vor zu switchen und somit eine Menge Tempo aus der Geschichte zu nehmen, um dann erneut per Flashback vor zu switchen. Das macht den Film stellenweise sehr zäh und langsam und wirft die Frage auf, ob es hier nicht eine bessere, geradlinigere Lösung gegeben hätte. Gerade weil Drehbuchautor Matthew Vaughn mit Streifen, wie „Kick-ass“ oder „Layer Cake“, bereits sein Können bewiesen hat. Und auch Regisseur John Madden („Shakespeare in Love“) sollte unter gegebenen Umständen dazu in der Lage sein, diese Thematik intensiver und mit mehr Thrill zu verfilmen. Doch gerade im zweiten Teil des Films knickt der Spannungsbogen rapide ab und entlässt die Zuschauer mit einem sehr lahmen Ende.

Vielleicht will „The Debt“ aber auch einfach zu viel: Spionagethriller, Historienfilm, Charakterstudie, Kammerspiel… Die Thematik hätte jedenfalls mehr hergegeben, als schlussendlich dabei herausgekommen ist. Denn im Endeffekt geht es hier um drei Agenten und einen Kriegsverbrecher und das Verhältnis aller Beteiligten zueinander. Drumherum zwei, drei Actionszenen und ein Hauch Nazi-Pathos. Fertig. Was bleibt, ist zwar durchaus ein netter und solider Thriller mit zwei herausragenden Schauspielerinnen (Helen Mirren und Jessica Chastain). Der jedoch so auch problemlos im Montagskino des ZDF zu genießen ist. Ins Kino muss man hierfür nämlich nicht.

Die Komödie ist tot. Lang lebe die Komödie.

September 13, 2011

Es ist schon ein wenig skurril, dass wir offensichtlich dazu übergegangen sind, seit zwei Jahren jede neue Komödie sofort mit „Hangover“ zu vergleichen. „Ohja, Due Date war zwar amüsant, aber doch wohl nur eine Art Zach-Galifianakis-Spin-off.“ „Date Night?! Ja, haha, witzig. Frauen können ja auch komisch sein, aber Hangover war viel besser.“ Irgendwie verständlich, bewegt sich die Komödie seit Juli 2009 doch zwischen derbem Will-Farell-Humor á la „The Other Guys“ und ideenlosem Einheitsfraß, wie „The Proposal“ oder „Grown Ups“. Genre-Leckerlies, wie „Tucker & Dale vs. Evil“ mal außen vor genommen. Was fehlt: DIE Mainstream-taugliche Komödie des Kinosommers.

Doch als hätte Hollywood ein solches Stoßgebet erhört, kommt dieser Tage der US-Streifen „Horrible Bosses“ um die Walk-of-Fame-Ecke gebogen. Kevin Spacey, Colin Farell, Jennifer Aniston, Jamie Foxx, Jason Bateman. Hui, wie sich das liest. Dass letzterer übrigens die neue erste Wahl für quengelige Figuren mit fast gescheiterten Filmexistenzen zu sein scheint, trifft sich gut. Denn Jason Bateman spielt hier den 0815-Angestellten, der sich seit Jahren beim Chef einschleimt, um dann möglicherweise mal befördert zu werden. Blöd nur, wenn der Chef ein Arschlosch ist und es zu dieser Beförderung möglicheweise nie kommen wird. Nach einem weiteren K.O.-Tag im Büro beschließt Bateman, zusammen mit seinen zwei besten Freunden (die gleichermaßen von ihren Chefs (sexuell) penetriert malträtiert werden), aus einer Bierlaune heraus und rein hypothetisch, ihre „Horrible Bosses“ still und heimlich abzumurksen.

Soweit, so schön. Eine dubiose Idee. Ein hochkarätiger Cast. Zwei essentielle Zutaten für eine spaßige Komödie. Da aller guten Dinge jedoch drei sind, sollte man Regisseur Seth Gordon nicht unerwähnt lassen. Dieser hat sich bisher mit so exquisiten TV-Formaten, wie „The Office“ oder „Community“ beschäftigt, was diesem Anderthalbstünder nur zu Gute kommt. Denn in welcher Situationskomik sich das Trio hier immer wieder verfängt, kann nur dem Können eins Sitcom-Regisseurs geschuldet sein. Da reicht das Spektrum von peinlichen Privatkillerbegegnungen, über erotische Zahnarztpraxiseskapaden, bishin zu einer endlos währenden Wohnzimmer-Koks-Szene.

Es ist eine Wonne! Was „Horrible Bosses“, neben den extrem absurden Szenen, so liebenswert macht, sind die fantastisch besetzten Antagonisten – die Chefs. Denn eigentlich will man von Anfang an nur sehen, wie Jennifer Aniston die nächste Sexkapade anzettelt, wie Colin Farell sich seine schmierige Strähne von der Stirn wischt und wie Kevin „the king of drama“ Spacey einen weiteren Wutausbruch bekommt. Artig im Kinosessel hat man zwar Mitleid mit dem Bateman-Trio, freut sich doch aber insgeheim immer wieder diabolisch, wenn einer der Drei durch die Arbeitshölle schreiten muss.

Mehr muss man zu „Horrible Bosses“ dann auch gar nicht mehr sagen. Man soll ihn sich einfach angucken. Und Spaß haben. Denn es ist der beste Mainstream-Spaß dieses Kinosommers. So witzig, dass man danach fast vergisst, ihn mit „Hangover“ zu vergleichen.

Prequel. Prevolution. Prädikat: Sehenswert

September 2, 2011

Ich muss gestehen, dass ich nie ein großer Planet-der-Affen-Fan war. Natürlich kenne ich das Original mit Charlton Heston aus dem Jahr 1968. Auch das Burton-Remake von 2001 ist mir (leider) ein Begriff. Generell flasht mich die Thematik allerdings nicht so, dass mich der Trailer vom aktuellsten Aufguss himmelhochjauchzend vom Kinosessel springen ließ.

Und das ging anscheinend den meisten Filmfreunden so. Denn der aktuelle Tenor bewegte sich doch immer zwischen einem belanglosen „uff, wenn’s denn sein muss“ und einem naserümpfenden „uff, muss das denn sein“. Die Tatsache, dass man Hollywood-Star James Franco und Hollywood-Sternchen Freido Pinto für die Hauptrollen besetzte und die Chose dem relativ unbekannten Regisseur Rupert Wyatt unter den Arm klemmte, ließen die Erwartungen für „Rise of the Planet of the Apes“ auf niedrigem Niveau vor sich herdümpeln.

Was dann schlussendlich tatsächlich mit einer der größten Trümpfe des Films ist. Der Stoff ist veraltet, der Trailer war schlecht, das Licht geht aus, eine Erwartungshaltung ist nicht vorhanden. Gut so! Denn wie Rupert Wyatt sein Prevolution-Prequel aufbaut ist wirklich außerordentlich unterhaltsam. Der Film führt James Franco als Protagonisten ein. Er spielt den Wissenschaftler Will Rodman, der in einem großen Labor an einem neuen Mittel gegen Alzheimer forscht – natürlich an Affen. Nachdem ein Experiment schief läuft und die Versuchsreihe eingestellt wird, nimmt Rodman einen kleinen Babyaffen mit zu sich nach Hause, den er und sein an Alzheimer erkrankter Vater fortan aufziehen. Im Laufe der Jahre wird der kleine Caeser einerseits immer größer, andererseits auch immer intelligenter. Das Serum, an dem Rodman gearbeitet hat, scheint aller Fehlversuche zum trotz bei Ceaser zu wirken. Von diesem Erfolg getrieben, forscht er weiter, vernachlässigt dabei aber die Aufsicht des Affen, was eine bedeutsame Kettenreaktion zur Folge hat.

Was sich auf dem Papier recht unspektakulär liest, mutiert auf der großen Leinwand zum besten Vertreter des sogenannten alljährlichen Sommerkinos. Was in erster Linie an der spektakulären Tricktechnik liegt. „Rise of the Planet of the Apes“ wurde mit echten Affen und mit CGI-Affen gedreht. Der Unterschied ist nicht zu definieren. Wie schon bei „King Kong“ oder „Lord of the Rings“ mimt Andy Serkis einen animierten Charakter, der eine tragende Rolle im Film spielt. Hier haucht er also dem Menschenaffen Caeser eine große Portion schauspielerisches Leben ein, sodass man seit langer Zeit wieder einmal Empathie für ein künstliches Wesen empfindet.

Sowieso vollführt Wyatt hier im Film einen Paradigmenwechsel. Anfangs setzt er noch stark auf seine menschlichen Schauspieler, wie James Franco oder John Lithgow, doch je länger der Film voranschreitet, desto mehr rückt er die Affen in den Mittelpunkt. Was ja bei einem Titel „Planet der Affen“ durchaus Sinn macht. Dennoch ist es ein kaum spürbarer, sehr angenehmer und doch starker Wandel, der die Geschichte tatsächlich aus dem Blickwinkel der Affen erzählt. Und da ist es wirklich erstaunlich, wie Regisseur Rupert Wyatt es schafft, einige der besten Dialoge im Film anhand der Kommunikation von Affen zu platzieren. Diese Kommunikation erfolgt entweder durch Zeichensprache oder aber durch bloße Mimik, was erneut für die fantastische Tricktechnik spricht. Jene kann natürlich auch in diversen Actionsequenzen überzeugen, eine der besten und erwähnenswertesten ist hierbei sicherlich eine imposante Golden-Gate-Bridge-Szene. Noch erfreulicher macht ein solches Spektakel dann nur noch die Tatsache, dass man sich zwischenzeitlich nicht über einen schlechten 3D-Effekt ärgern muss – weil der Streifen erst gar nicht in 3D produziert worden ist. Dass dann sogar das Ende richtig gut gelungen ist, schließt dieses filmische Vergnügen gekonnt ab.

Insgesamt ist es dann irgendwie der Mix aus allem: die anfänglich niedrige Erwartungshaltung, die sehenswerten CGI-Effekte, ein paar augenzwinkernde Referenzen zu den Vorgängern, der unterhaltsame Plot und der interessante Hauptcharakter Caeser. Alles das macht „Rise of the Planet of the Apes“ zu einem Überraschungshit, den man sich auf jeden Fall im Kino anschauen sollte, falls man noch die Möglichkeit dazu hat. Auch flammt meine Hoffnung auf gute Prequels/Sequels in Zukunft wieder ein bisschen auf, denn anscheinend geht das ja doch. Dass nach dem guten Einspielergebnis sofort Verlautbarungen aufkamen, eine Trilogie zu entwickeln, stört mich obendrein eher weniger. Man muss auch einfach mal froh sein, endlich wieder einen richtig guten und runden Actionfilm gesehen zu haben.

Fünf Freunde meets Cloverfield

August 5, 2011

Vor ein paar Tagen habe ich mir, sozusagen als Vergleichsmöglichkeit, eine von Steven Spielbergs ersten Regiearbeiten angesehen. „E.T. – Der Außerirdische“ aus dem Jahr 1982. Über 115 Minuten entwickelt Spielberg hier eine magische Geschichte, die schlicht und ergreifend herzerwärmend ist. Nicht plump, nie langweilig und mit einer einzigartigen Gänsehaut-Atmosphäre. Fast 30 Jahre später versucht Steven Spielberg den Glanz dieser Filmepoche wieder auf die große Leinwand zu zaubern. Für seinen Versuch setzt er einen talentierten Jung-Regisseur hinter die Kamera -  J.J. Abrams, Schöpfer von „Alias“ und „Lost“.

Wenn das Licht im Kinosaal ausgeht, der 35-MM-Streifen auf die Leinwand projiziert wird und diese erste Szene von „Super 8″ läuft, dann spürt man sofort etwas von dieser 80er-Jahre-Atmosphäre. Die Kamera fokussiert eine riesige Tafel in einer Fabrikhalle. „Tage seit dem letzten Unfall“ steht darauf. Ein Mitarbeiter nimmt gerade alle drei Ziffern ab, um an die Tafel eine verheissungsvolle 1 zu hängen. Diese kurze Anfangsszene könnte lakonischer kaum sein und gerade deshalb erzeugt sie diese gewisse Stimmung – hier ist etwas passiert und euch wird jetzt die Geschichte dazu erzählt.

Und dann filmt Abrams alles durch den Spielberg’schen Filter: 1797. Rockmusik. Sommer in einer Kleinstadt. Eine Gruppe Kinder auf BMX-Rädern. Es ist, als wäre man in eine Zeitmaschine gestiegen und im Kino der 80er wieder ausgestiegen. Abrams zaubert alten und schon längst vergessenen Glanz. Es geht nun also um die fünf Freude Joe, Charles, Cary, Martin und Preston, die in den Sommerferien einen Amateur-Zombiefilm mit einer alten Super-8-Kamera drehen wollen. Ein quirliges Ensemble, das sich permanent gegenseitig Sprüche an die Köpfe wirft, das unschuldig über dies und das spricht, das aus verschiedenen Charakteren besteht, das Spaß macht. Es ist wie eine dieser ersten Szene in „E.T.“, als Elliott, Michael, Gertie und ein paar Schulfreunde am Küchentisch sitzen und sich Pizza bestellen. Eine unbefangene Gruppe von Kindern, die ausgelassen den Sommer genießen und bei denen man sich an seine eigene Kindheit erinnert.

Abrams gelingt es in dieser ersten halbe Stunde von „Super 8″ tatsächlich, eine ganz spezielle Atmosphäre herzustellen. Diese gipfelt, als das Gespann zusammen mit der etwas ältere Alice eine Szene an einem Bahngleis dreht. Alice legt hier eine dermaßen intensive Performance ab, dass nicht nur den Jungs der Atem stockt, sondern auch den Zuschauern im Kinosessel. Die Szene wird jäh unterbrochen von einem Zugunglück, dem Abrams kaum mehr seinen Stempel hätte aufdrücken können. Es scheppert und kracht, jeder Waggon scheint einzeln zu explodieren, Eisenteile fliegen durch die Luft und schlagen nur wenige Zentimeter neben den Protagonisten ein. Das ist keine 80er-Jahre-Action, das ist feinstes Abrams-Star-Trek-Effektfeuerwerk und Spielberg-Transformers-Krawumm. Und das stört. Wenn schon so einen Film drehen, dann bitte auch den Mut haben, CGI gänzlich außen vor zu lassen und durch echte Explosionen und Modelle zu ersetzen.

Das gilt dann auch für das Wesen, welches durch das Zugunglück den Weg in die Freiheit beziehungsweise die Kleinstadt gefunden hat. Zwar hört man es bis zum Ende immer nur oder sieht es ganz kurz (in unverkennbarer Lost-Manie), aber schon früh hegt man im Stillen den Verdacht, dass hier ein stereotypes Kinomonster der Neuzeit an allerlei mysteriöser Vorfälle Schuld ist. Diese aufzuklären ist auch das Bestreben der Gruppe und so begleitet man sie auf ihrem Abenteuer. Das ist die zweite Hälfte über auch recht unterhaltsam, büßt durch die Special-Effects jedoch viel vom anfänglichen Glanz ein. Bis das ernüchternde Ende von „Super 8″ den Film zu einem doch ganz normalen Kinoabenteuer werden lässt. Wieder einmal scheint Spielberg und Abrams der Mut gefehlt zu haben, denn das Wesen aus dem Zug könnte kaum uninspirierter aussehen. Vielleicht ist es sogar noch ein Modell von „Cloverfield“, den Abrams seiner Zeit mitproduziert hat. Es wäre nicht verwunderlich.

Ist denn der Versuch, an den alten Spielberg der 80er anzuknüfen gelungen? Zum Teil vielleicht, ja. Gerade die erste Hälfte von „Super 8″ schafft dies. Es ist der Versuch, die Atmosphäre von „E.T.“, „Goonies“ und „Gremlins“ wiederherzustellen. Doch eine Kombination aus dieser magischen Filmepoche und dem heutigen CGI-Popkornkino gelingt nicht. Dessen mussten sich Zuschauer bereits bei „Indiana Jones“ oder „Star Wars 1-3″ schmerzlich bewusst werden. Und so verkommt „Super 8″ im weiteren Verlauf zu einer Mischung aus „Fünf Freunde“ und „Cloverfield“, was unterm Strich zwar unterhaltsam ist, aber nicht das erhoffte Endprodukt.

P.S.: Bleibt sitzen! Der Abspann entschädigt für vieles, was Abrams/Spielberg falsch gemacht haben.

Wege zum alten Facebook-Chat: Update

Juli 23, 2011

Dass Facebook weiterhin die Nutzerbeschwerden über den neuen Chat ignoriert, ist ein Paradebeispiel für die gerade veröffentlichte ACSI-Studie. In dem Kundenzufriedenheitsranking belegte das größte soziale Netzwerk der Welt gerade mal eben den allerletzten Platz. So langsam sollte Zuckerberg tatsächlich mal darüber nachdenken, von seinem hohen Ross abzusteigen.

Davon abgesehen ärgert sich der Großteil der Community immer noch über den Chat und die Zwischenlösung. In einem Blog-Kommentar machte Tamara Gruber nun auf eine bessere Alternative aufmerksam – ein UserScript mit dem Namen „Facebook Sidebar Chat Reversion“.

Dieses Script (anscheinend vom Benutzer Enzyme programmiert) versteckt die neue Facebook-Sidebar und ersetzt sie durch den alten Chat. Man sieht wieder alle On- und Offline-Kontakte, kann scrollen und die neue Webcam-Funktion nutzen. Bisher scheint diese Lösung für Firefox und Google Chrome zu funktionieren. Firefox-Nutzer müssen sich vorher zusätzlich das JavaScript-AddOn Greasemonkey herunterladen. Danach funktioniert alles wieder einwandfrei! Es kann sein, dass ihr euren Browser ein mal kurz verkleinern (nicht minimieren) müsst, damit der neue Chat ausgerichtet werden kann.

Kurz zusammengefasst:

Firefox-Nutzer – Greasemonkey installieren – UserScript installieren

Chrome-Nutzer – UserScript installieren

Katerstimmung

Juli 17, 2011

Keine Regeln
Sich von keinem Menschen etwas sagen lassen
Aber trotzdem wie ein König
leben
Unter freiem Himmel
schlafen
Immer etwas leckeres zu
essen
Den ganzen Tag draußen liegen und
sonnen
Ab und zu eine wohltuende
Massage
Danach dann noch ein Treffen mit
Freunden
In der Nacht
Um die Häuser ziehen und
vielleicht ein paar süße Mäuse fangen
Morgens erst
nach Hause
ins Bett
den halben Tag verschlafen

Mit einem Kater aufwachen
und
sich verträumt wundern, wie das Leben als Kater wohl
so aussehen würde

Wege zum alten Facebook-Chat

Juli 8, 2011

Es ist ein mittelschweres, peinliches Desaster. Als Facebook am Mittwoch die „super awesome news“ (O-Ton) ankündigte, war vielen bereits klar, dass das Unternehmen aus Kalifornien den Video-Chat einführen würde. Jeff Jarvis fasste das in diesem Tweet recht authentisch zusammen.

Facebook musste nach der durchweg positiven Resonanz, die Google+ mit dem Launch des sozialen Netzwerkes erfahren hatte, schlichtweg nachziehen. Schnellstens. Also wurde die Kooperation mit Skype einfach ein paar Tage oder auch Wochen vorverlegt. Nach einigen Tests des neuen Video-Chats ist an diesem Procedere auch nichts auszusetzen – alles funktioniert wunderbar.

Was hingegen gar nicht mehr funktioniert, ist der ganz normale Chat. Facebook hat diesem nämlich (anscheinend in einer halbherzigen Nacht-und-Nebel-Aktion) ein neues Design verpasst. Dem nicht genug, feiert sich Zuckerberg und Entourage mit dem neuen Feature „See The Friends You Message The Most.“ Diese Funktion ist ein reines Fiasko. Denn zum einen zeigt die Chat-Sidebar definitv nicht die Freunde an, mit denen man am häufigsten interagiert, sondern eher einen radom zusammengewürfelten Haufen. Und zum zweiten werden alle anderen Freunde, die außerdem online sind, nicht mehr angezeigt. Man kann die Chatliste auch nicht mehr hoch und runterscrollen.

Zorn und Ärger sind die Folge in der Community. Im hauseigenen Facebook-Blog ist der Jammer-Post über den neuen Chat mittlerweile an die erste Stelle gerückt und hat 404 Likes und über 100 Kommentare. Verständlich ist das allemal, denn der Chat ist jetzt kein Chat mehr im eigentlichen Sinne. Dadurch, dass man nicht mehr sehen kann, wer alles online ist, ist es nur noch eine wahllose Auswahl an Leuten, mit denen man sich Nachrichten schreiben könnte – und viele von diesen Freunden sind nicht einmal online. Dieses Problem tritt anscheinend sowohl in Firefox, als auch bei Chrome, Safari und dem Internet Explorer 9 auf. Im Internet Explorer 8 wiederum, wird der „alte“ Chat angezeigt, dafür ist aber alles sehr langsam (IE eben).

(Links der Chat im Firefox, rechts im IE 8 )

Wie also verfahren, bis sich Zuck und Co dem Problem angenommen haben?! In der Blog-Diskussion ist eine brauchare Alternative entdeckt worden. Über den Link https://www.facebook.com/presence/popout.php (in manchen Fällen muss man den Link manuell eingeben) könnt ihr auf den alten Chat zugreifen, müsst ihn dann allerdings in einem seperaten Tab laufen lassen. Das ist zwar umständlich, aber so habt ihr immerhin wieder alle eure Freunde im Blick.

Ab jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich Facebook schnell um dieses nervige Problem kümmert. Allerdings hat sich bisher weder im Blog, noch an einer anderen Stelle jemand zu diesem neuen „Feature“ geäußert. Für die Netzgemeinde nur ein weiterer Grund zu Google+ abzuwandern.

Ein Update gibt es hier. Danke an Tamara Gruber für den Hinweis.


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