Ein Thema. Zwei Filme. Ultimativer Showdown. Und wie so oft im Leben geht es um die Liebe. Auf der einen Seite „Zweiohrküken“, das Flaggschiff der deutschen Filmförderung und Til Schweigers Antwort auf den Kassenschlager „Keinohrhasen“. Auf der anderen Seite den Independentsteifen „(500) Days of Summer“, angeschaut in der Originalversion wohlgemerkt.
„Zweiohrküken“ setzt zeitlich gesehen ein paar Wochen oder Monate da an, wo „Keinohrhasen“ den Zuschauer damals in ein Happy End geschickt hat. Anna und Ludo sind ein Paar und als solches haben sie natürlich mit all den Problemen zu kämpfen, die Paare nun mal so haben: Er räumt seinen Kram nicht weg, sie kann sich zwischen ihren Schuhen nicht entscheiden. Schließlich eskalieren alle kleinen Neckereien in einem Streit über Pfandflaschen, die Ludo nicht zurück gebracht hat. Und als ob das noch nicht genug Zündstoff für eine kleine Krise wäre, taucht natürlich auch noch eine von Ludo’s Ex-Freundinnen auf und versucht den geborenen Womanizer zurück auf die dunkle Seite zu ziehen. Der Zoff ist vorprogrammiert und Anna und Ludo verhalten sich so, wie man sich das von ihnen vorstellt. Sie badet etwas in Selbstmitleid und lädt dann einen ihrer Ex-Freunde in die gemeinsame Wohnung ein, um Ludo damit eifersüchtig zu machen, während er sich mit Kumpel Moritz (Matthias Schweighöfer) auf einer Party ordentlich die Kante gibt, um den ganzen Weiberschmuh zu verdrängen. Soweit, so einfallslos.
Da geht „(500) Days of Summer“ doch ganz anders an die Materie heran. Am Anfang des Films erscheinen die Worte „The following is a work of fiction. Any resemblance to persons living or dead is purely coincidental. Especially you Jenny Beckman. Bitch.“ Danach beginnt der Erzähler: „This is a story of boy meets girl. But you should know up front, this is not a love story.” Allein mit diesem ironischen Einstieg schafft es der Film, das Publikum für die kommenden 90 Minuten zu begeistern. Es geht um Tom Hanson und Summer Finn. Er schreibt Geschenkkarten und ist auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Sie ist nur auf der Durchreise, arbeitet mal hier und mal da, und hat alles andere als Interesse an einer ernsten Partnerschaft. Und doch ist da etwas Besonderes zwischen den Beiden. Fortan springt der Film zwischen den 500 Tagen hin und her, die Tom und Summer ein Paar waren, und zeigt dabei sowohl die schönen Momente, als auch viele Streitigkeiten. Dabei kann sich der Zuschauer sofort in einen der beiden Protagonisten hineinversetzen, so individuell und einzigartig sich die Beiden auch geben. Denn jeder, der schon mal eine längere Beziehung plus Trennung durchgemacht hat, wird sich in dieser Welt wiederfinden und mit jedem Dialog und jedem Gedanken mitfühlen.
„Zweiohrküken“ geht da leider einen sehr viel konventionelleren Weg. Schweiger nimmt für seine Fortsetzung quasi das komplette Bühnenprogramm eines Mario Barth und formt daraus ein Drehbuch. Doof nur, dass Barth das schon in seiner eigenen – nennen wir es formhalber einfach mal Komödie – „Männerherzen“ versucht hat. Schweiger aber lässt sich nicht lumpen und packt alle Klischees, die Deutschland so über Beziehungen in- und auswending kennt in langen 120 Minuten zusammen, garniert das alles mit viel Fäkalhumor, lässt das Filmplakat vom ersten Teil so schön, wie es ist, und schreibt in großen Buchstaben „Zweiohrküken“ drüber. Bravo, Til. Das hätte ein Erstsemester auf der Filmakademie nicht besser hinbekommen. Und wo „Keinohrhasen“ noch mit viel Wortwitz punkten konnte, versagt das Sequel auf ganzer Linie. Einziger Lichtblick ist die unglaublich talentierte Nora Tschirner. Ein Goldmädchen, das in jeder einzelnen Szene den Sympathiebonus einheimst und eine wirklich tolle Schauspielerin ist. Zu Til Schweiger muss man derweil nicht mehr viel sagen – sogar seine Tochter hat schon mehr Gesichtsausdrücke drauf.
Der Film von Marc Webb, der bisher übrigens größtenteils Musikvideos für 3 Doors Down oder Green Day produziert hat, bewirbt sich zwar weniger als Komödie, sondern mehr als Tragikomödie. Trotzdem ziehen die Witze bei „(500) Days of Summer“ deutlich besser, weil sie von Herzen kommen. Es sind keine billigen Klischees, die uns Joseph Gordon-Levitt (Tom) und die bezaubernde Zooey Deschanel (Summer, bekannt auch aus „Per Anhalter durch die Galaxis“) hier präsentieren. Es ist das Leben, beziehungsweise die Liebe, in all ihren Facetten. Mal wird gelacht, mal wird geweint, mal wird einfach geschwiegen. Und am Ende einer jeden Beziehung verändern wir uns und stellen uns die Fragen: Wer bin ich? Was ist passiert? Glaube ich an das Schicksal?
„(500) Days of Summer“ ist ein wundervoller Liebesfilm. Mit vielen Momenten, in denen man als Zuschauer grinsen muss, weil man ähnliches erlebt hat. Und im nächsten Moment muss man seine Gefühle und einen dicken Klos im Hals herunterschlucken – weil man ähnliches erlebt hat. Es ist ein Film über die Liebe – ein bisschen Feel-Good-Movie, ein bisschen Drama. Aber vor allen Dingen mit tollen Schauspielern, einem kreativen Drehbuch und einer konventionellen Geschichte, die trotzdem für jeden Einzelnen etwas Besonderes ist. Das komplette Gegenteil ist leider „Zweiohrküken“ geworden. Wenig neues, dafür viele Klischees, schlechte Gags und die letzte Viertelstunde ist feinster Kitsch a la Rosamunde Pilcher. Da kann sogar der wieder gut gelungene Soundtrack nichts mehr wett machen. „(500) Days of Summer“ kommt nämlich fast ohne musikalische Untermalung aus.










