Friendship!

Februar 5, 2010 von Daniel Tubies

Zwei Kumpels aus der DDR, die unmittelbar nach der Wende nach Amerika fliegen. Hört sich nach vielen Klischees, abgestandenen Ossi-Witzen und peinlichen Slapstick-Einlagen an. Und tatsächlich findet man all das auch in „Friendship!“, dem neuen Film mit Matthias Schweighöfer. Trotzdem ist der Film überaus unterhaltsam. Das liegt nicht zuletzt an seinem tadellos auftretenden Hauptdarsteller.

Zur Story muss man nicht viele Worte verlieren, denn wie bei allen Road-Movies gilt auch hier: Der Weg ist das Ziel. Tom und Veit (Schweighöfer und Mücke) sind in der DDR aufgewachsen, also zwei waschechte Ossis. Als im November 1989 schließlich die Mauer fällt, beschließen die beiden besten Freunde, das große Amerika zu bereisen – wobei Veit dabei etwas anderes treibt, als der pure Spaß. Er will sich auf die Suche nach seinem Vater begeben, der anscheinend als Mauerflüchtling in den USA untertauchen konnte. Davon weiß der gute Tom allerdings herzlich wenig,  und somit ist die Streiterei vorprogrammiert.

Es hätte böse enden können – Ossis in Amerika. Aber dank des lustig-lockeren Drehbuchs, welches übrigens auf den authentischen Erzählungen von Thomas Zickler beruht, driftet „Friendship!“ nicht in die Sparte überdrehter Slapstick ab. Und das, obwohl zahlreiche Klischees, die einem bei diesem Stoff durchs Gedächtnis schießen, tatsächlich im Film angewendet werden: Die griesgrämigen Flughafen-Securities („So you’re Nazi?!“), der kiffende Lebenskünstler, die harte Motorradgang, die blond-blöden Cheerleader-Teenies und die gastfreundliche Vorstadt-Barbecue-Family. Dennoch wirken diese Klischees niemals überladen, sondern werden von Regisseur Markus Goller immer mit einem Augenzwinkern vorgeführt. Selbst als Mücke und Schweighöfer in einer Schwulenbar in Vegas zu einem Technomix der DDR-Nationalhymne die Hüllen fallen lassen, ist das vielmehr urkomisch, als niveaulos. Sowieso kann man mit Fug und Recht behaupten, dass „Friendship!“ auch ein großes Stück weit von der Dynamik eines Matthias Schweighöfer getragen wird. Dieser weiß in jeder Szene zu überzeugen – mal schüchtern, mal komisch, mal ernst, mal wütend, mal traurig. Schweighöfer ist wundervoll sympathisch und mimt seinen Charakter mit bewundernswerter Leichtigkeit.

„Friendship!“ steht für knapp zwei Stunden sehr gute, seichte Unterhaltung. Ein Road-Movie mit allen Facetten: Freundschaft, Freiheit, Spaß, Streit und ein bisschen Liebe. Denn das unentbehrliche „girl next door“, das Mädchen, das alles durcheinander bringt, darf natürlich auch hier nicht fehlen. Der Streifen erfindet das Genre nicht neu, setzt es allerdings fehlerlos um, überzeugt mit einem fantastischen Schauspielergespann, vortrefflichem Humor und ganz viel Herz.

Harris vs. Rüttgers

Januar 31, 2010 von Daniel Tubies

Verblüffend. Der eine spielt Barney Stinson in “How I Met Your Mother”, der andere schauspielert sich durch die deutsche Politik. Aber nicht nur die Berufswahl ähnelt sich, wie man auf diesen beiden Bildern feststellen kann. Oder was meint ihr?!

Das Kabinett der Kreativität

Januar 25, 2010 von Daniel Tubies

Dass der Terry Fantasie hat, das ist hinlänglich bekannt. In „Twelve Monkeys“ reist Bruce Willis durch die Zeit, in „Fear and Loathing in Las Vegas“ darf man Johnny Depp zwei Stunden lang bei seinem Rausch begleiten und in „Brothers Grimm“ kämpft sich Heath Ledger durch einen Märchenwald. In seinem neuen Film lässt Terry Gilliam seine Protagonisten nun auch noch in ihrer eigene Fantasie umherwandeln. Leider kommen bei soviel Fantasie und Traumwelten andere Dinge etwas zu kurz.

Es ist schon bewundernswert. Wenn einem Regisseur während der Dreharbeiten plötzlich der Schauspieler fehlt, der die tragende Rolle spielt, würden viele wahrscheinlich erst einmal dumm dastehen. Doch nach dem tragischen Tod von Heath Ledger motivierte Terry Gilliam kurzum Ledgers gute Freunde Depp, Law und Farrell, sich der Rolle des Traumwanderers Tony anzunehmen. Die zögerten nicht lange und verzichteten auch noch auf ihre Gage. So konnte „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ schließlich doch noch abgedreht werden – inwieweit Gilliam durch diesen Vorfall das Drehbuch hat ändern müssen, weiß leider nur er selbst. Ob der Film in der ursprünglichen Fassung besser gewesen wäre, lässt sich nur erträumen.

Storytechnisch darf man nicht zu viel verraten, nur so viel: Parnassus und der Teufel wetten gerne. In einer Wette hat Parnassus die Unsterblichkeit gewonnen, in einer zweiten Wette hat er dagegen seine Tochter verloren. An ihrem 16. Geburtstag darf sich der Teufel die süße Valentina krallen. Doch schließlich kommt es zu einer dritten Wette. Wenn es Parnassus binnen 48 Stunden schafft, fünf Seelen für sich zu gewinnen, darf er seine Tochter behalten. Zusammen mit seiner Tochter, seinem besten Freund Percy, dem treuen Anton und dem Neuling Tony (Ledger), versucht Parnassus dem Teufel ein weiteres Mal ein Schnippchen zu schlagen – er lotst seine Kundschaft durch einen magischen Spiegel. Jeder, der hindurch geht,  findet sich in seiner eigenen Fantasie wieder. In seiner ganz persönlichen Gedankenwelt. In dieser kann sich der Kunde läutern lassen, indem er seinen Lastern widersteht (dann gehört die Seele Parnassus). Er kann sich aber auch seinen Gelüsten hingeben, wodurch die Seele dem Teufel gehört. Was folgt, ist ein Katz-und-Maus-Spiel um die fünf Seelen.

Eines muss man Terry Gilliam lassen – er hat echt abgefreakte Ideen. In Teilen an Goethes Faust angesiedelt, vermag „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ eine eigenwillige und unkonventionelle Geschichte zu erzählen. Auch die Kostüme und Bühnenbilder schwanken von sonderbar über bewundernswert bis hin zu abgefuckter Shit. Insofern ist Parnassus visuell gesehen eine reife Leistung. Und auch die Schauspieler verstehen ihr Handwerk. Allen voran natürlich Heath Ledger in seiner letzten Hauptrolle, der mit seiner großartigen Leinwandpräsenz wieder unter Beweis stellt, dass er vielvielviel zu früh verstorben ist. Wenn die Interpretation des Jokers sein Meisterstück ist, ist der Charakter Tony mindestens auf Platz zwei zu verordnen. Ledger spielt den verschusselt-charmanten Gentleman mit einer graziösen Leichtigkeit, dass es eine Wonne ist, ihm dabei Gesellschaft leisten zu dürfen. Christopher Plummer als Doktor Parnassus liefert ebenfalls eine Glanzleistung ab, ebenso wie Tom Waits als geleckter Teufel Mr. Nick. Die drei Nachgerückten runden das tolle Line-up schließlich ab. Johnny Depp holt in seinen fünf Leinwandminuten mal wieder alles raus, was er schauspielerisch auf dem Kasten hat. Jude Law und Colin Farrell spielen ihre Rollen souverän.

Eigentlich wäre also alles gut. Dennoch entlässt Gilliam den Zuschauer nach 122 Minuten nahezu völlig emotionslos. Man kann leider zu keinem Zeitpunkt mit auch nur einem Charakter ein wenig Empathie aufbauen. Die Figuren sind zwar interessant, aber leider zu weit weg, um sich mit ihnen zu identifizieren. Und so bleibt „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ (nur) ein schillerndes Schauspiel mit großartigen Darstellern, ausgezeichneten Bildern und einer kreativen Geschichte, die unglücklicherweise niemanden berührt. Ein Tribut an Gilliams Fantasie. Nicht mehr, nicht weniger.

Disney lässt die Frösche grooven

Januar 25, 2010 von Daniel Tubies

Jeder hat ihn. Den eigenen, kleinen Magic Moment mit einem Disney-Film: Winter 1994, das allererste Mal im Kino, „Der König der Löwen“ – atemberaubend. Disney gehört zum Kino, wie Maggi in die Suppe. Fünf Jahre sind vergangen, seit die Trickfilmschmiede den letzten von Hand gezeichneten Streifen veröffentlicht hat. Mit „Küss den Frosch“ feiert der alte Disney-Stil jetzt ein Revival.

Die Story ist urtypisch: Teenager Tiana träumt von einem eigenen Restaurant und rackert sich dafür Tag und Nacht ab. Als anlässlich des Besuches von Prinz Naveen ein Maskenball veranstaltet wird und Tiana das Büfett anrichten soll, sieht sie ihre große Chance einen dicken Batzen Geld zu machen. Der Prinz wird allerdings vorher vom bösen Magier Dr. Facilier in einen Frosch verwandelt. Als Tiana den Frosch-Prinzen küsst, wird auch sie zu einer grünen Kröte. Fortan machen sich die Beiden auf, die Voodoo-Priesterin Mama Odie zu finden, die den Zauber angeblich rückgängig machen kann. Dabei werden sie vom Trompete spielenden Alligator Louis und dem abgedrehten Glühwürmchen Ray begleitet.

Die Umsetzung ist bezaubernd: Von der ersten zu Papier gebrachten Minute an fühlt man sich pudelwohl und ein wenig in seine Kindheit zurückversetzt. Die Charaktere sind mit viel Liebe gestaltet, das groovige New Orleans ist sofort sympathisch und die Musical-Nummern haben das Disney-typische Augenzwinkern und lassen den Zuschauer mit den Füßen wippen. Obwohl der Film mit 97 Minuten Laufzeit eigentlich im Durchschnitt liegt, würde man gerne noch länger mit Alligator Louis (Bill Ramsey als Synchronsprecher ist genial) mitswingen. Sowieso – ein Alligator, der Trompete spielt. Alleine deswegen muss man den Film schon mögen. Auch Cassandra Steen und Roger Cicero sind ein Highlight und identifizieren sich perfekt mit ihren Figuren. Es passt alles.

„Küss den Frosch“ ist kurzweilig. Der Film ist zwar nicht besonders lang und auch kein Meisterwerk, aber er macht Spaß und weiß zu unterhalten. Als Zuschauer darf man wieder in eine Disney-Welt eintauchen, die man schon aus Kindertagen kennt und liebgewonnen hat. Mit zwei sympathischen Hauptfiguren, dem Bösewicht und den schrägen Nebendarstellern a la Sebastian („Arielle“) oder Timon und Pumba („Der König der Löwen“). Disney-Magie pur!

Pocavatar

Januar 20, 2010 von Daniel Tubies

Aus der Kategorie: “Wie bastel ich mir schnellstmöglich einen Mega-Blockbuster”

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And the Golden Globe goes to…

Januar 17, 2010 von Daniel Tubies

Es ist wieder soweit. Zum 67. Mal werden in diesem Jahr die Golden Globes verliehen. Im Beverly Hilton trifft sich heute Abend alles, was im Filmgeschäft Rang und Namen hat. Zurückblickend lässt sich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass 2009 ein qualitativ hochwertiges Kinojahr war. So viel Auswahl an guten Filmen gab es schon lange nicht mehr. Außerdem ist wohl relativ klar, dass “Inglourious Basterds” der absolute Favorit des Abends ist. Interessant wird es in der Kategorie “Drama”. Ob sich das 3D-Spektakel “Avatar” gegen die hochkarätigen Filme durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Kinofreunde aus der ganzen Welt werden heute mit den Nominierten mitfierben, ein Auge immer auf die (erst) im März stattfindenden Oscars gerichtet. Leider waren noch nicht alle Filme, die heute die begehrte Trophäe gewinnen können, in den deutschen Kinos zu sehen.

Nichtsdestotrotz habe ich für die wichtigsten Kategorien meine Wahl bereits getroffen. Nicht, wer den Award gewinnen könnte, sondern wer ihn in meinen Augen verdient hat. Mal sehen, inwieweit ich richtig liege. Meine Favoriten sind jeweils fett markiert. Pro7 überträgt die Golden Globes ab 2 Uhr heute Nacht live!

Best Motion Picture – Drama

Best Motion Picture – Musical or Comedy

Best Performance by an Actor in a Motion Picture – Drama

  • Jeff Bridges for Crazy Heart
  • George Clooney for Up in the Air
  • Colin Firth for A Single Man
  • Morgan Freeman for Invictus
  • Tobey Maguire for Brothers

Best Performance by an Actor in a Supporting Role in a Motion Picture

  • Matt Damon for Invictus
  • Woody Harrelson for The Messenger
  • Christopher Plummer for The Last Station
  • Stanley Tucci for The Lovely Bones
  • Christoph Waltz for Inglourious Basterds

Best Director – Motion Picture

  • Kathryn Bigelow for The Hurt Locker
  • James Cameron for Avatar
  • Clint Eastwood for Invictus
  • Jason Reitman for Up in the Air
  • Quentin Tarantino for Inglourious Basterds

Best Screenplay – Motion Picture

Best Animated Film

  • Cloudy with a Chance of Meatballs
  • Coraline
  • Fantastic Mr. Fox
  • The Princess and the Frog
  • Up

Best Performance by an Actor in a Television Series – Musical or Comedy

  • Alec Baldwin for 30 Rock
  • Steve Carell for The Office
  • David Ducovny for Californication
  • Thomas Jane for Hung
  • Matthew Morrison for Glee

Best Performance by an Actor in a Supporting Role in a Series

  • Michael Emerson for Lost
  • Neil Patrick Harris for How I Met Your Mother
  • William Hurt for Damages
  • John Lithgow for Dexter
  • Jeremy Piven for Entourage

Daisy blows the whole country

Januar 10, 2010 von Daniel Tubies

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Avatar – Aufbruch in eine neue Kinodimension

Januar 9, 2010 von Daniel Tubies

Wie gerne hörte man zu, wenn Papa mal wieder davon sprach: Damals, bei „Star Wars“, das hat uns aus den Kinositzen gehauen. Sowas gab es vorher einfach nicht. Und dann, bei „Alien“, diese düstere Atmosphäre. Genial. Und dann, bei „Terminator“, diese Spezialeffekte. Unglaublich. Aber wie oft ärgerte man sich auch ein bisschen darüber, dass man selbst nie ein solches Erlebnis auf der Leinwand zelebrieren durfte. Bis jetzt. Denn mit James Camerons neuem Geniestreich „Avatar“ haben nun auch aktuelle Generationen etwas, von denen sie ihren kinobegeisterten Kindern einmal erzählen werden.

Der Film verschlägt den Zuschauer in das Jahr 2154. Die Menschheit hat die Erde endgültig zugemüllt und die Rohstoffe neigen sich dem Ende zu. Auf dem fernen Mond Pandora findet man ein Erz, welches sich auf der Erde zu horrenden Preisen verkaufen lässt. Für die Wirtschaftsbosse ist Pandora deshalb in erster Linie eine Geldquelle, für ein kleines Forscherteam allerdings ein Paradies für Experimentierfreudigkeit. Die Gruppe um Ärztin Grace Augustine (Sigourney Weaver) hat das sogenannte Avatar-Programm entwickelt, welches es den Menschen erlaubt, ihren Geist in einen eigens dafür gezüchteten Körper des Naturvolks Na’vi zu transferieren, welche auf Pandora leben. Nachdem sein Bruder gestorben ist, wird der Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington) auf den Waldmond beordert, weil er seines Bruders DNA hat und darum seinen Platz im Avatar-Programm einnehmen soll. Durch einen Zufall gerät er an die Prinzessin der Na’vi, Neytiri (Zoe Saldana), welche ihm das Leben auf Pandora zeigt. Schließlich verlieben sich die Beiden, obwohl Jake die Na’vi eigentlich zur Umsiedlung zwingen soll, weil ihr Dorf auf einem riesigen Erz-Vorkommen steht und somit das Hauptaugenmerkt der profitgeilen Wirtschaftsbosse ist. Es kommt, wie es kommen muss – zum Krieg zwischen Menschen und den Na’vi.

Eine Milliarde in 17 Tagen. So viel hat „Avatar“ seit seinem Start bereits eingespielt. Er nimmt damit in einem rasanten Tempo die Verfolgungsjagd zum zweiten Teil von „Fluch der Karibik“ und Peter Jacksons „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ auf. Und natürlich Camerons Meisterstück „Titanic“, welches mit 1,8 Milliarden US Dollar Einspielergebnis an den weltweiten Kinokassen immer noch der erfolgreichste Film ist. Noch. Denn bei Ticketpreisen von bis zu 13 Euro (3D, Überlänge, Loge) sollte es für „Avatar“ ein leichtes sein, seinen Vorgänger zu übertrumpfen. Neue Filmrekorde erfordern eben neue Preisrekorde. Wobei jeder Zuschauer gut damit beraten ist, jeden der Zuschläge zu berappen. Denn erst dann kann der Film zu dem werden, was er ist: ein Meisterwerk an 3D-Animationskunst, welches neue Maßstäbe in Sachen Entertainment setzt.

Innerhalb der ersten Minuten werden 3D-erpropte Kinogänger noch denken, wohin es denn eigentlich den 3D-Effekt verschlagen hat. Denn Cameron bricht mit den Effekthaschereien der bisherigen 3D-Filme (wie „Ice Age“ oder „Final Destination 4“), die nur dafür konzipiert waren, dem Zuschauer Sachen frontal vor die Brille zu schleudern, welcher dann überrascht die Hände vors Gesicht schlägt. So wurde der Effekt Ende des letzten Jahres in deutschen Kinos eingeführt und beworben – und wurde nach spätestens vier 3D-Streifen dann auch wieder langweilig. Cameron allerdings filmte komplett mit einer speziellen 3D-Kamera, wodurch der Film hinterher nicht mehr mit dem Effekt nachbearbeitet werden musste. Dadurch ergibt sich eine völlig andere Sichtweise. Der Film wirkt nicht wie üblich konkav, sondern konvex. Der 3D-Effekt kommt einem nicht entgegen, sondern zieht einen in die Tiefe. Es braucht ein wenig, bis sich das Auge darauf eingestellt hat. Aber spätestens, wenn Jake Sully in seinem Avatar den Dschungel auf Pandora erkundet, weiß man, warum man an der Kasse so viel Geld bezahlt hat – diese neuen 3D-Bilder sind atemberaubend. Sie lassen den Zuschauer wirklich in eine andere Welt abtauchen, sie nehmen ihn an der Hand und ziehen ihn in den Film. Man fühlt sich wahrhaftig live dabei. Man ist auf Pandora!

Lange hat es ein Film nicht mehr geschafft, so zu faszinieren, dass man das Popcorn und die Coke nicht anrührt. „Avatar“ schafft es. Wie gebannt muss man auf die Leinwand starren, will alle Eindrücke auf einmal aufnehmen. Da ein Farn, den man anfassen möchte, hier eine Blume, die leuchtet. Überall schwirrt etwas durch die Luft und alles sieht so fantastisch realistisch und schön aus. Vielen ist der Plot vielleicht zu durchschaubar („Pocahontas“ lässt grüßen), aber eines muss man James Cameron lassen: Er hat diesen Planeten, diese andere Welt, er hat sie irgendwie gesehen. Und lange hat es ein Film nicht mehr geschafft, sich so atemberaubend zu präsentieren, dass man sich nach einer Actionszene im Kinosessel wiederfindet, wie man gespannt die Finger in die Sitzlehnen bohrt. „Avatar“ schafft es. Es ist das große Ganze, was im Endeffekt überzeugt. Eine durchaus einfache Story, gespickt mit rasanten Actionsequenzen und visuell einzigartigen Effekten. Der Film ist absolut rund und revolutioniert den Begriff „Popcornkino“ von Grund auf.

Quasi nebenbei revolutioniert Cameron die Technik des sogenannten Facial Motion Capture, welches schon Verwendung bei „Der Polarexpress“ oder zuletzt „Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“ fand, gleich mit. Die Bewegungen, Gesichtszüge und Mimik der Na’vi, welche komplett computeranimiert sind, sind von echten Menschen nicht mehr zu unterscheiden. Wenn Sigourney Weaver in ihrem Avatar durch den Dschungel tollt, dann ist das auch Sigourney Weaver. Man sieht es. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen real und animiert. Auch die Militärbasis auf Pandora, sie könnte so da stehen. Alles, was auf der Leinwand passiert, es ist nicht künstlich, nicht animiert, nicht erschaffen – es ist einfach da. Und der Zuschauer ist mittendrin.

Viel wurde im Vorfeld geredet. Das geheime Projekt von James Cameron. Er hatte das Drehbuch angeblich schon lange in seiner Schublade liegen und trotzdem 14 Jahre gewartet, um es auch technisch einwandfrei umsetzen zu können. Es wurde geredet, es wurde gerätselt, es wurde gehyped. Doch wenn man nach der Fox-Fanfare für drei Stunden in eine andere Welt eintauchen darf, wird nicht geredet. Nur gestaunt. Und danach innerlich gejubelt, dass man endlichendlichendlich mal wieder einen Film gesehen hat, den man im Kino sehen muss, um ihn als das wahrzunehmen, das er ist: Ein Erlebnis, welches nur auf der Leinwand zelebriert wird. Und welches man unbedingt nochmal erleben möchte. Danke Kino. Danke James Cameron. Jackpot.

Die Liebe in Zeiten des Mainstreams

Dezember 10, 2009 von Daniel Tubies

Ein Thema. Zwei Filme. Ultimativer Showdown. Und wie so oft im Leben geht es um die Liebe. Auf der einen Seite „Zweiohrküken“, das Flaggschiff der deutschen Filmförderung und Til Schweigers Antwort auf den Kassenschlager „Keinohrhasen“. Auf der anderen Seite den Independentsteifen „(500) Days of Summer“, angeschaut in der Originalversion wohlgemerkt.

„Zweiohrküken“ setzt zeitlich gesehen ein paar Wochen oder Monate da an, wo „Keinohrhasen“ den Zuschauer damals in ein Happy End geschickt hat. Anna und Ludo sind ein Paar und als solches haben sie natürlich mit all den Problemen zu kämpfen, die Paare nun mal so haben: Er räumt seinen Kram nicht weg, sie kann sich zwischen ihren Schuhen nicht entscheiden. Schließlich eskalieren alle kleinen Neckereien in einem Streit über Pfandflaschen, die Ludo nicht zurück gebracht hat. Und als ob das noch nicht genug Zündstoff für eine kleine Krise wäre, taucht natürlich auch noch eine von Ludo’s Ex-Freundinnen auf und versucht den geborenen Womanizer zurück auf die dunkle Seite zu ziehen. Der Zoff ist vorprogrammiert und Anna und Ludo verhalten sich so, wie man sich das von ihnen vorstellt. Sie badet etwas in Selbstmitleid und lädt dann einen ihrer Ex-Freunde in die gemeinsame Wohnung ein, um Ludo damit eifersüchtig zu machen, während er sich mit Kumpel Moritz (Matthias Schweighöfer) auf einer Party ordentlich die Kante gibt, um den ganzen Weiberschmuh zu verdrängen. Soweit, so einfallslos.

Da geht „(500) Days of Summer“ doch ganz anders an die Materie heran. Am Anfang des Films erscheinen die Worte „The following is a work of fiction. Any resemblance to persons living or dead is purely coincidental. Especially you Jenny Beckman. Bitch.“ Danach beginnt der Erzähler: „This is a story of boy meets girl. But you should know up front, this is not a love story.” Allein mit diesem ironischen Einstieg schafft es der Film, das Publikum für die kommenden 90 Minuten zu begeistern. Es geht um Tom Hanson und Summer Finn. Er schreibt Geschenkkarten und ist auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Sie ist nur auf der Durchreise, arbeitet mal hier und mal da, und hat alles andere als Interesse an einer ernsten Partnerschaft. Und doch ist da etwas Besonderes zwischen den Beiden. Fortan springt der Film zwischen den 500 Tagen hin und her, die Tom und Summer ein Paar waren, und zeigt dabei sowohl die schönen Momente, als auch viele Streitigkeiten. Dabei kann sich der Zuschauer sofort in einen der beiden Protagonisten hineinversetzen, so individuell und einzigartig sich die Beiden auch geben. Denn jeder, der schon mal eine längere Beziehung plus Trennung durchgemacht hat, wird sich in dieser Welt wiederfinden und mit jedem Dialog und jedem Gedanken mitfühlen.

„Zweiohrküken“ geht da leider einen sehr viel konventionelleren Weg. Schweiger nimmt für seine Fortsetzung quasi das komplette Bühnenprogramm eines Mario Barth und formt daraus ein Drehbuch. Doof nur, dass Barth das schon in seiner eigenen – nennen wir es formhalber einfach mal Komödie – „Männerherzen“ versucht hat. Schweiger aber lässt sich nicht lumpen und packt alle Klischees, die Deutschland so über Beziehungen in- und auswending kennt in langen 120 Minuten zusammen, garniert das alles mit viel Fäkalhumor, lässt das Filmplakat vom ersten Teil so schön, wie es ist, und schreibt in großen Buchstaben „Zweiohrküken“ drüber. Bravo, Til. Das hätte ein Erstsemester auf der Filmakademie nicht besser hinbekommen. Und wo „Keinohrhasen“ noch mit viel Wortwitz punkten konnte, versagt das Sequel auf ganzer Linie. Einziger Lichtblick ist die unglaublich talentierte Nora Tschirner. Ein Goldmädchen, das in jeder einzelnen Szene den Sympathiebonus einheimst und eine wirklich tolle Schauspielerin ist. Zu Til Schweiger muss man derweil nicht mehr viel sagen – sogar seine Tochter hat schon mehr Gesichtsausdrücke drauf.

Der Film von Marc Webb, der bisher übrigens größtenteils Musikvideos für 3 Doors Down oder Green Day produziert hat, bewirbt sich zwar weniger als Komödie, sondern mehr als Tragikomödie. Trotzdem ziehen die Witze bei „(500) Days of Summer“ deutlich besser, weil sie von Herzen kommen. Es sind keine billigen Klischees, die uns Joseph Gordon-Levitt (Tom) und die bezaubernde Zooey Deschanel (Summer, bekannt auch aus „Per Anhalter durch die Galaxis“) hier präsentieren. Es ist das Leben, beziehungsweise die Liebe, in all ihren Facetten. Mal wird gelacht, mal wird geweint, mal wird einfach geschwiegen. Und am Ende einer jeden Beziehung verändern wir uns und stellen uns die Fragen: Wer bin ich? Was ist passiert? Glaube ich an das Schicksal?

„(500) Days of Summer“ ist ein wundervoller Liebesfilm. Mit vielen Momenten, in denen man als Zuschauer grinsen muss, weil man ähnliches erlebt hat. Und im nächsten Moment muss man seine Gefühle und einen dicken Klos im Hals herunterschlucken – weil man ähnliches erlebt hat. Es ist ein Film über die Liebe –  ein bisschen Feel-Good-Movie, ein bisschen Drama. Aber vor allen Dingen mit tollen Schauspielern, einem kreativen Drehbuch und einer konventionellen Geschichte, die trotzdem für jeden Einzelnen etwas Besonderes ist. Das komplette Gegenteil ist leider „Zweiohrküken“ geworden. Wenig neues, dafür viele Klischees, schlechte Gags und die letzte Viertelstunde ist feinster Kitsch a la Rosamunde Pilcher. Da kann sogar der wieder gut gelungene Soundtrack nichts mehr wett machen. “(500) Days of Summer” kommt nämlich fast ohne musikalische Untermalung aus.

Ein Butler macht noch keinen Actionhit

November 24, 2009 von Daniel Tubies

Gerard Butler springt anscheinend gerne mal zwischen den Extremen hin und her. Mal Schmonzetten-Prinz in „P.S.Ich liebe dich“, mal Spartiaten-Schnetzler in „300“. Gar nicht mal so dumm, wird er doch so von den weiblichen Kinozuschauern angehimmelt und von männlichen als cooler Typ gehandelt. Cool sollte eigentlich auch „Gesetz der Rache“ sein, das als neues Action-Vehikel für den guten Gerard dient.

Verstehen kann man Clyde Shelton (Butler) ja irgendwie schon. Bei einem Raubüberfall muss er mit ansehen, wie seine Frau und Tochter brutal ermordert werden. Entsetzt darüber, dass in anschließendem Prozess einer der beiden Täter nur milde bestraft wird, weil er einen Deal mit dem erfolgreichen Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx) eingeht, tüftelt Shelton in den nächsten zehn Jahren einen perphiden Rachefeldzug aus. Rache üben will er aber nicht nur an den beiden Tätern, sondern auch am in seinen Augen korrupten Justizsystem. Nach den ersten zwei Morden lässt sich Shelton grinsend von Staatsanwalt Rice festnehmen und ohne Mucken hinter Gitter stecken. Doch scheinbar nimmt sein Plan dadurch erst so richtig Gestalt an.

Ein Mann. Eine Familie. Und eine Mordswut. Mmmh. Erinnern wir uns mal an den Anfang des deutschen Kinojahres zurück. Da begeisterte ein gewisser „96 Hours“ mit Liam Neeson in der Rolle des rachelüstigen Vaters die Herzen der Actionfans. Zurecht. Es scheint fast so, als wolle Regisseur F. Gary Gray jetzt mit „Gesetz der Rache“ an diesen Erfolg anknüpfen. Und dem ist ja auch nichts entgegenzusetzen, wenn denn am Ende ein wirklich spannender Film dabei herauskommt. Tut es aber leider nicht. Wenn man mit dem Film so hart ins Gericht geht, wie Shelton und seine Selbstjustiz mit den Opfern, dann könnte man ihn sogar glatt als langweilig abstempeln. Denn es passiert in etwas über 100 Minuten immer nur das Gleiche: Einer von Sheltons Liste gibt den Löffel ab, Rice ermittelt. Dabei scheint der Film besonders viel Wert darauf zu legen, dass die Morde recht originell passieren. Stellenweise wirkt „Gesetz der Rache“ darum tatsächlich wie ein „Saw“ mit FSK 16-Freigabe. Das wird den Zuschauern momentan schon bei eben dieser Splatter-Reihe zu langweilig und ist hier nicht anders.

So dümpelt der Film von Szene zu Szene. Auch Gerard Butler vermag daran nichts zu ändern, so düster er noch in die Kamera blicken mag. Der aalglatte Jamie Foxx geht leider schon nach einer viertel Stunde auf die Nerven und ist hier anscheinend komplett unterfordert. Wo „96 Hours“ mit Tempo, Spannung und Härte auf ganzer Linie überzeugen konnte, versagt „Gesetz der Rache“ komplett. Nicht mal den Hauch eines Spannungsbogens gibt es hier und abgesehen von einem kleinen Überraschungsschocker, der den Puls kurzzeitig in die Höhe schnellen lässt, sitzt man ansonsten fast scheintot im Kinosessel. Das die Übersetzung des Originaltitels „Law Abiding Citizen“ ins Deutsche mal wieder ein Totalmurks ist, ist dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein.