Die Liebe in Zeiten des Mainstreams

Dezember 10, 2009 von Daniel Tubies

Ein Thema. Zwei Filme. Ultimativer Showdown. Und wie so oft im Leben geht es um die Liebe. Auf der einen Seite „Zweiohrküken“, das Flaggschiff der deutschen Filmförderung und Til Schweigers Antwort auf den Kassenschlager „Keinohrhasen“. Auf der anderen Seite den Independentsteifen „(500) Days of Summer“, angeschaut in der Originalversion wohlgemerkt.

„Zweiohrküken“ setzt zeitlich gesehen ein paar Wochen oder Monate da an, wo „Keinohrhasen“ den Zuschauer damals in ein Happy End geschickt hat. Anna und Ludo sind ein Paar und als solches haben sie natürlich mit all den Problemen zu kämpfen, die Paare nun mal so haben: Er räumt seinen Kram nicht weg, sie kann sich zwischen ihren Schuhen nicht entscheiden. Schließlich eskalieren alle kleinen Neckereien in einem Streit über Pfandflaschen, die Ludo nicht zurück gebracht hat. Und als ob das noch nicht genug Zündstoff für eine kleine Krise wäre, taucht natürlich auch noch eine von Ludo’s Ex-Freundinnen auf und versucht den geborenen Womanizer zurück auf die dunkle Seite zu ziehen. Der Zoff ist vorprogrammiert und Anna und Ludo verhalten sich so, wie man sich das von ihnen vorstellt. Sie badet etwas in Selbstmitleid und lädt dann einen ihrer Ex-Freunde in die gemeinsame Wohnung ein, um Ludo damit eifersüchtig zu machen, während er sich mit Kumpel Moritz (Matthias Schweighöfer) auf einer Party ordentlich die Kante gibt, um den ganzen Weiberschmuh zu verdrängen. Soweit, so einfallslos.

Da geht „(500) Days of Summer“ doch ganz anders an die Materie heran. Am Anfang des Films erscheinen die Worte „The following is a work of fiction. Any resemblance to persons living or dead is purely coincidental. Especially you Jenny Beckman. Bitch.“ Danach beginnt der Erzähler: „This is a story of boy meets girl. But you should know up front, this is not a love story.” Allein mit diesem ironischen Einstieg schafft es der Film, das Publikum für die kommenden 90 Minuten zu begeistern. Es geht um Tom Hanson und Summer Finn. Er schreibt Geschenkkarten und ist auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Sie ist nur auf der Durchreise, arbeitet mal hier und mal da, und hat alles andere als Interesse an einer ernsten Partnerschaft. Und doch ist da etwas Besonderes zwischen den Beiden. Fortan springt der Film zwischen den 500 Tagen hin und her, die Tom und Summer ein Paar waren, und zeigt dabei sowohl die schönen Momente, als auch viele Streitigkeiten. Dabei kann sich der Zuschauer sofort in einen der beiden Protagonisten hineinversetzen, so individuell und einzigartig sich die Beiden auch geben. Denn jeder, der schon mal eine längere Beziehung plus Trennung durchgemacht hat, wird sich in dieser Welt wiederfinden und mit jedem Dialog und jedem Gedanken mitfühlen.

„Zweiohrküken“ geht da leider einen sehr viel konventionelleren Weg. Schweiger nimmt für seine Fortsetzung quasi das komplette Bühnenprogramm eines Mario Barth und formt daraus ein Drehbuch. Doof nur, dass Barth das schon in seiner eigenen – nennen wir es formhalber einfach mal Komödie – „Männerherzen“ versucht hat. Schweiger aber lässt sich nicht lumpen und packt alle Klischees, die Deutschland so über Beziehungen in- und auswending kennt in langen 120 Minuten zusammen, garniert das alles mit viel Fäkalhumor, lässt das Filmplakat vom ersten Teil so schön, wie es ist, und schreibt in großen Buchstaben „Zweiohrküken“ drüber. Bravo, Til. Das hätte ein Erstsemester auf der Filmakademie nicht besser hinbekommen. Und wo „Keinohrhasen“ noch mit viel Wortwitz punkten konnte, versagt das Sequel auf ganzer Linie. Einziger Lichtblick ist die unglaublich talentierte Nora Tschirner. Ein Goldmädchen, das in jeder einzelnen Szene den Sympathiebonus einheimst und eine wirklich tolle Schauspielerin ist. Zu Til Schweiger muss man derweil nicht mehr viel sagen – sogar seine Tochter hat schon mehr Gesichtsausdrücke drauf.

Der Film von Marc Webb, der bisher übrigens größtenteils Musikvideos für 3 Doors Down oder Green Day produziert hat, bewirbt sich zwar weniger als Komödie, sondern mehr als Tragikomödie. Trotzdem ziehen die Witze bei „(500) Days of Summer“ deutlich besser, weil sie von Herzen kommen. Es sind keine billigen Klischees, die uns Joseph Gordon-Levitt (Tom) und die bezaubernde Zooey Deschanel (Summer, bekannt auch aus „Per Anhalter durch die Galaxis“) hier präsentieren. Es ist das Leben, beziehungsweise die Liebe, in all ihren Facetten. Mal wird gelacht, mal wird geweint, mal wird einfach geschwiegen. Und am Ende einer jeden Beziehung verändern wir uns und stellen uns die Fragen: Wer bin ich? Was ist passiert? Glaube ich an das Schicksal?

„(500) Days of Summer“ ist ein wundervoller Liebesfilm. Mit vielen Momenten, in denen man als Zuschauer grinsen muss, weil man ähnliches erlebt hat. Und im nächsten Moment muss man seine Gefühle und einen dicken Klos im Hals herunterschlucken – weil man ähnliches erlebt hat. Es ist ein Film über die Liebe –  ein bisschen Feel-Good-Movie, ein bisschen Drama. Aber vor allen Dingen mit tollen Schauspielern, einem kreativen Drehbuch und einer konventionellen Geschichte, die trotzdem für jeden Einzelnen etwas Besonderes ist. Das komplette Gegenteil ist leider „Zweiohrküken“ geworden. Wenig neues, dafür viele Klischees, schlechte Gags und die letzte Viertelstunde ist feinster Kitsch a la Rosamunde Pilcher. Da kann sogar der wieder gut gelungene Soundtrack nichts mehr wett machen. „(500) Days of Summer“ kommt nämlich fast ohne musikalische Untermalung aus.

Ein Butler macht noch keinen Actionhit

November 24, 2009 von Daniel Tubies

Gerard Butler springt anscheinend gerne mal zwischen den Extremen hin und her. Mal Schmonzetten-Prinz in „P.S.Ich liebe dich“, mal Spartiaten-Schnetzler in „300“. Gar nicht mal so dumm, wird er doch so von den weiblichen Kinozuschauern angehimmelt und von männlichen als cooler Typ gehandelt. Cool sollte eigentlich auch „Gesetz der Rache“ sein, das als neues Action-Vehikel für den guten Gerard dient.

Verstehen kann man Clyde Shelton (Butler) ja irgendwie schon. Bei einem Raubüberfall muss er mit ansehen, wie seine Frau und Tochter brutal ermordert werden. Entsetzt darüber, dass in anschließendem Prozess einer der beiden Täter nur milde bestraft wird, weil er einen Deal mit dem erfolgreichen Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx) eingeht, tüftelt Shelton in den nächsten zehn Jahren einen perphiden Rachefeldzug aus. Rache üben will er aber nicht nur an den beiden Tätern, sondern auch am in seinen Augen korrupten Justizsystem. Nach den ersten zwei Morden lässt sich Shelton grinsend von Staatsanwalt Rice festnehmen und ohne Mucken hinter Gitter stecken. Doch scheinbar nimmt sein Plan dadurch erst so richtig Gestalt an.

Ein Mann. Eine Familie. Und eine Mordswut. Mmmh. Erinnern wir uns mal an den Anfang des deutschen Kinojahres zurück. Da begeisterte ein gewisser „96 Hours“ mit Liam Neeson in der Rolle des rachelüstigen Vaters die Herzen der Actionfans. Zurecht. Es scheint fast so, als wolle Regisseur F. Gary Gray jetzt mit „Gesetz der Rache“ an diesen Erfolg anknüpfen. Und dem ist ja auch nichts entgegenzusetzen, wenn denn am Ende ein wirklich spannender Film dabei herauskommt. Tut es aber leider nicht. Wenn man mit dem Film so hart ins Gericht geht, wie Shelton und seine Selbstjustiz mit den Opfern, dann könnte man ihn sogar glatt als langweilig abstempeln. Denn es passiert in etwas über 100 Minuten immer nur das Gleiche: Einer von Sheltons Liste gibt den Löffel ab, Rice ermittelt. Dabei scheint der Film besonders viel Wert darauf zu legen, dass die Morde recht originell passieren. Stellenweise wirkt „Gesetz der Rache“ darum tatsächlich wie ein „Saw“ mit FSK 16-Freigabe. Das wird den Zuschauern momentan schon bei eben dieser Splatter-Reihe zu langweilig und ist hier nicht anders.

So dümpelt der Film von Szene zu Szene. Auch Gerard Butler vermag daran nichts zu ändern, so düster er noch in die Kamera blicken mag. Der aalglatte Jamie Foxx geht leider schon nach einer viertel Stunde auf die Nerven und ist hier anscheinend komplett unterfordert. Wo „96 Hours“ mit Tempo, Spannung und Härte auf ganzer Linie überzeugen konnte, versagt „Gesetz der Rache“ komplett. Nicht mal den Hauch eines Spannungsbogens gibt es hier und abgesehen von einem kleinen Überraschungsschocker, der den Puls kurzzeitig in die Höhe schnellen lässt, sitzt man ansonsten fast scheintot im Kinosessel. Das die Übersetzung des Originaltitels „Law Abiding Citizen“ ins Deutsche mal wieder ein Totalmurks ist, ist dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Männerherzen…außen hart und innen ganz weich

November 23, 2009 von Daniel Tubies

Der deutsche Film hat oft keinen guten Stand bei Kritikern. Ein kleines Sorgenkind sozusagen. Verständlich, lässt man zuletzt „Männersache“ oder „Ein-einhalb Ritter“ vor seinem geistigen Auge Revue passieren. Den nächsten Clou einer deutschen Produktionsschmiede könnte man darum schon fast im Vorfeld als platt und klischeebelastet abstempeln. Doch Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel - „Männerherzen“ ist so eine Ausnahme.

Der Cast mit Christian Ulmen, über Wotan Wilke Möhring bis hin zu Justus von Dohnányi verspricht ein spaßig-spritziges Leinwandvergnügen zu werden. Auch das Drehbuch bietet Platz für genügend Witze: Im Kern geht es um fünf Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Den moppeligen Beamten, der kein Glück bei Frauen hat. Den unsicheren und planlosen Kumpeltypen, der einfach in den Tag lebt. Den erfolgreichen Jungunternehmer mit Frau, der vor dem Kauf des Eigenheims steht. Den cholerischen Otto Normalverbraucher, der mit allen Mitteln versucht, seine Ex-Freundin wiederzugewinnen. Und den übercoolen Musikproduzenten, der sich vor Frauen und Erfolg kaum retten kann. Alle fünf sind mit ihren Leben allerdings unzufrieden und wissen nicht so recht, wie sie daran etwas ändern sollen. Alle fünf werden in kurzen Episoden abgehandelt und doch schafft es Regisseur Simon Verhoeven dabei immer, genau die richtigen Momente vor die Kamera zu bringen. Der Zuschauer bekommt Einblick in die Leben der Protagonisten und diese gewinnen von Szene zu Szene immer mehr an Tiefe. Ein Fitnessstudio, in dem alle fünf trainieren, wird zur Stätte der Begegnung und wenn sich mehrere Handlungsstränge schließlich kreuzen, sind Lacher garantiert.

Das Plot-Rad erfindet „Männerherzen“ mit dieser Geschichte zwar nicht neu. Dennoch schafft es der Film, den Zuschauer gut zu unterhalten. Dazu tragen aber vor allem die großartigen schauspielerischen Leistungen bei. Insbesondere Justus von Dohnányi mimt den ausgeflippten Schlagersänger Bruce Berger so genial, dass es eine Wonne ist, ihm zuzuschauen. Christian Ulmen spielt den trägen, trockenen, fast ein wenig bemitleidenswerten Loser gewohnt vorzüglich und auch Til Schweiger darf wieder in seine Paraderolle schlüpfen – erfolgreicher Macho, links ein Blondchen, rechts ein Brünettchen und immer schön den Frust von der Seele nuscheln. Passt.

Solide Story, tolle Schauspieler, nette Witze und ein höhrenswerter Soundtrack machen „Männerherzen“ recht kurzweilig. Das kommt überraschend und das tut der deutschen Kinolandschaft gut. Wenn die Freundin auf dem Sofa sitzt und der Lieblingsitaliener Rotwein und Pizza vorbeibringt, dann darf es gerne diese einwandfrei gemachte Komödie sein.

Soderbergh’sches Info(rmant)tainment

November 10, 2009 von Daniel Tubies

informant

Wer derzeit im Kinoprogramm nach etwas Niveau sucht, der wird an „Der Informant!“ nicht drumrumkommen. Neben Insel-Klamauk und verfrühten Weihnachtsgeschichten ist das neue Werk von Steven Soderbergh nämlich der einzige Film, in dem man seine winterschläfrigen Synapsen mal wieder etwas beanspruchen muss. Leider verlässt sich Soderbergh dabei zu sehr auf sein Publikum und verlangt diesem über 108 Minuten volle Konzentration ab – bei völliger Actionlosigkeit.

Zu Beginn lernen wir den durchaus sympathischen Mark Whitacre kennen. Er arbeitet bei der großen amerikanischen Firma ADM, die sich auf die Lysin-Produktion spezialisiert hat und damit überaus erfolgreich ist. So auch der wohlgenährte Whitacre. Ein guter Job, ein schneller Sportwagen, ein großes Haus, eine liebenswerte Familie. Friede, Freude, Eierkuchen. Könnte man meinen, wenn denn der gute Mark nicht ein notorischer Lügner wäre. Als er bemerkt, dass im Unternehmen illegale Preisabsprachen an der Tagesordnung sind, wendet er sich kurzerhand ans FBI und wird, richtig, Informant. Doch anstatt brav zu kooperieren macht sich Föhnwellen-Mark einen Spaß daraus, sowohl das FBI, als auch seine Firma und alle Leute drumherum mit herrlich absurden Geschichten zu verwirren. Dabei dreht sich das Lügenkarussel immer schneller und schneller, bis er schließlich selbst nicht mehr zwischen Wahrheit und Täuschung zu unterscheiden vermag. Wäre das alles noch nicht genug, ergaunert sich der anfangs sympathische Mark still und leise ein Vermögen zusammen, von welchem bis zum Ende nicht klar ist, ob es denn nun wirklich sieben Millionen sind. Oder gar neun. Oder vielleicht doch elfeinhalb.

Nach der Oceans-Ganoven-Trilogie und dem Che-Hommage-Doppelback nun also eine waschechte Agenten-Farce. Was bei „Burn After Reading“ als spritzig, abstruser und verrückter Satiremix mit Wortwitz funktionierte, entpuppt sich hier als an-den-nerven-nagendes Pastischekino. Soderbergh lässt Damon erzählen. Im Monolog über hinreißend sinnloses, im Dialog über allerhand geschäftliches. Die letzte halbe Stunde des Films ist dabei mitunter sogar sehr nett mit anzusehen, wenn Pummelchen Damon sich in seinen Lügereien verliert und doch immer wieder versucht, sich aus den Anschuldigungen herauszureden („Jetzt wissen sie wirklich alles!“). Denn bis dahin weiß wirklich jeder, dass man den Lügenbaron absolut nie für voll nehmen darf und dann macht „Der Informant!“ plötzlich Spaß. Leider ist die Hälfte der Zuschauer bis dahin wahrscheinlich schon längst eingenickt und träumt von einem lässig-wortgewandten Danny Ocean.

Steven Soderbergh überläd das Erzählkino mit zu viel Erzählung und zu wenig Aktion. Matt Damons schauspielerische Leistung fügt sich wunderbar in das restliche Ensemble (Melanie Lynskey, die Stalkerin aus „Two and a half man“, spielt köstlich) ein, die Musik ist okay und der gelbliche Farbfilter ist erfrischend untypisch für das Genre. Aber die Geschichte an sich (das Grundgerüst ist übrigens wahr) wird leider schlecht und öde verpackt. Im Grunde ist es einfach: Wer mit Pastische nicht viel anfangen kann, sollte bei der Parodie bleiben. Un-fass-bar.

Sarkasmus, Stones und ein leckerer Cocktail

November 5, 2009 von Daniel Tubies

cocktail

Einfach mal drauf losschreiben. Und dann alles in Worte fassen, was mir gerade in den Kopf kommt. Ohne Recherche, ohne Rechtschreibprüfung, ohne Filter. Eine famose Idee. Wenn man denn wüsste, worüber man schreiben soll. Das mir immer noch ein Stückchen Zwiebel von dem leckeren Subway Sandwich zwischen den Zähnen hängt, ist ja für die Masse eher uninteressant. Ich habe allerdings schon immer gerne kleine Geschichten geschrieben. In der Grundschule teilweise mit eigener Bebilderung. Später habe ich mich an Kurzgeschichten versucht. Ein Roman war immer ein großer Traum – und ist es bis heute noch.

Aber wie? Kreatives Schreiben habe ich nie gelernt und wüsste nicht, wie man anfangen soll. Und eine gute Idee fehlt sowieso. Bisher. Also bleibt es bei Kolumnen. Kleinen Ausschnitten in die reale Welt, versetzt mit ein wenig Satire und einer ordentlichen Prise Sarkasmus. Das ist sowieso so eine Sache mit dem Sarkasmus. Wer weiß, ihn richtig anzuwenden, kommt mit ihm sehr weit. Er wird quasi zum treuen Weggefährten. Aber: Das Leben nicht so ernst zu nehmen, ist ein Credo, dem sich nicht jeder anschließen kann.

You can’t always get what you want

Hat man sich allerdings damit arrangiert, findet man sich wieder, wie man in einem Paddelboot ohne Paddel den Fluss des Lebens hinuntertreibt. Hach, wie pathetisch. Links und rechts am Ufer stehen dann gestresste Chefs oder entnervte Eltern. Doch ich lehne mich in meinem Bötchen zurück. Ich weiß nicht so genau, wohin mich die Strömung trägt, aber das ist kein Problem mehr für mich. Der Chef will unbezahlte Überstunden, die Eltern wollen gute Noten sehen. Doch sie alle kommen nicht an mich heran, weil ich in meiner MS Sarkasmus sitze und mir einen schönen Tag mache. Natürlich dürfen gewisse Prinzipien nicht fehlen. Und die darf ich dann auch nicht verletzen. Über allem steht jedoch das allumfassende Mantra „you can’t always get what you want“. Und die Stones haben Recht.

Ein wenig Ehrgeiz darf natürlich auch nicht fehlen. Die Mischung macht’s. Wer in seinem Leben nur durch die Sarkamus-Brille in die Sonne schaut, der wird sich früher oder später in seinem Paddelboot wiederfinden, wie er aufs offene Meer hinaustreibt. Dann ist da kein Fluss mehr, keine Strömung, keine Chefs und keine Eltern. Nur das weite, aussichtslose Meer und ein paar fiese Haie, die nur darauf warten, die MS Sarkasmus in die melancholischen Untiefen zu ziehen. Neben Sarkasmus und Ironie sind die Prinzipien und der Ehrgeiz in einem persönlich-ausgewogenen Verhältnis gesehen mindestens genauso wichtig. Denn obwohl man nicht immer das bekommt, was man will, ist das Leben ein undurchschaubarer Spieler und mischt deine Karten ständig neu. Das entscheidene in diesem Spiel des Lebens ist nur, seine Karten richtig auszuspielen. Und der kleine Sarkasmus-Cocktail hilft dabei, sein Pokerface zu wahren.

…but if you try sometimes

Wer sich aber bei einer neuen Hand immer noch darüber ärgert, wie gerne er sein letztes Blatt am gewinnbringendsten ausgespielt hätte, der kann nicht mit den anderen Spielern Schritt halten. Er wird wieder verlieren. Und wieder. Bis das Spiel irgendwann keinen Spaß mehr macht, auch die Sarkasmus-Poker-Brille nichts mehr nützt und man alles hinwirft. Merke: Sarkasmus gemixt mit persönlichen Prinzipien und einem Schuss Ehrgeiz lässt das Leben aus einer ganz anderen Perspektive erscheinen. Wer dann mal eine Hand verliert, ärgert sich nicht. Denn der selbstironische Spieler weiß, dass er nur eine Runde und nicht das ganze Spiel verloren hat.

Und auch wenn die Karten mal wieder schlecht sind – „you can’t always get, what you want. But if you try sometimes, you might find, you get what you need.“ Weise, weise. Du bekommst, was du brauchst. Aber nicht das, was du willst. So ist es oft im Leben. Und wenn man das Leben mit einem gut gemixten Cocktail genießt, wird es oft viel erträglicher. Ich nehme einen Long Island… Prost!

Nichts als die (nackte) Wahrheit

Oktober 13, 2009 von Daniel Tubies

nacktewahrheit

Romantische Komödien müssen nicht zwangsläufig vorhersehbar, schlicht und kitschig sein. Insbesondere wenn zwei schlagende Argumente den Film positiv aufwerten. Katherine Heigl tut das – Gerard Butler auch. Das Greys-Anatomy-Häschen und der Spartiaten-Anführer machen „Die nackte Wahrheit“ zu einem kleinen Kinospaß: frech, lustig und kurzzeitig kitschig.

Die Story ist nett aufgebaut: Abby Richter ist Produktionsleiterin bei einem größeren, regionalen Fernsehsender. Sie macht ihre Arbeit gut, ist zielstrebig und erfolgreich. Was im Job so gut klappt, geht im Privaten dafür umso mehr in die Hose – verpatzte Dates und Sex-Durststrecken häufen sich. Das genaue Gegenteil ist Mike Chadway. Der charismatische Womanizer ist Moderator seiner eigenen Sendung „The ugly truth“, die er über einen offenen Kanal ausstrahlt. Beruflich läuft es eher mau, dafür liegt Mike die Frauenwelt zu Füßen. Als die Senderchefs aufgrund schlechter Quoten Mike und seine Show kurzerhand adaptieren, wird Abby als seine persönliche Bei-Laune-Halterin abgestellt. Das sie ihn und sein lockeres Mundwerk seit der ersten Begegnung abscheulich findet, stört die Chefetage dabei herzlich wenig. Frauenversteher Mike wiederum durchschaut das hübsche, aber leicht festgefahrene Blondchen recht schnell und so machen die Beiden einen Deal – er verspricht, ihr innerhalb kürzester Zeit ihren Traummann zu verschaffen. Andernfalls ist er seinen Job wieder los.

Gut, das Setting ist nicht neu und man weiß doch schon von Anfang an, wie es denn letztendlich ausgehen wird. Aber das Grundgerüst und die Ideen von Drehbuchautorin Karen McCullah, die unter anderem auch schon für „10 Dinge, die ich an dir hasse“ verantwortlich ist, sind durchweg frisch. Heigl und Butler agieren wunderbar auf der großen Leinwand und sorgen in immer wieder abstrusen oder peinlichen Situationen für viele Lacher. Die Gag-Quote liegt kontinuierlich hoch. Zusätzlich ist ein gewisser Attraktivitätsfaktor durch beide Schauspieler gewährleistet, wodurch sowohl Männlein, als auch Weiblein etwas nettes zu begucken haben.

Lediglich zum Ende hin wird es dann doch nochmal sehr kitschig, was vor allen Dingen an einer romantischen Ballonfahrt über einem See und der Liebeserklärung von Dauer-Macho Mike liegt, die so einfach nicht in sein übriges Charakter-Konzept passt. Wenn man hier allerdings ein Auge zudrückt, macht „The ugly truth“ alles richtig. Er ist frech, spritzig, lustig und stellenweise unter der Gürtellinie – schmutzig. So wie die Wahrheit nun mal ist.

DVD-Dart: Der Tragödie zweiter Teil

Oktober 10, 2009 von Daniel Tubies

Ob ihr es sehen wollt oder nicht – hier ist der zweite Teil des DVD-Dart-Geburtstagsspecials mit Florian, Michael, Sebastian und Roland.

Ode an die Bürokratie

Oktober 3, 2009 von Daniel Tubies

Da soll noch mal jemand sagen, die deutschen Beamten wären faul. Weil von einer großen Firma (in knapp 300 m Entfernung) mehrere Tage ein unerträglicher Geruch von verbranntem Plastik über unserer Straße lag, wurde bei unserer Stadtverwaltung Beschwerde eingereicht. Der zuständige Mitarbeiter zeigte sich sofort bürgernah und bekräftigte, dass er der Sache voller Tatendrang auf den Grund gehen wolle. Und das, obwohl unsere Stadtverwaltung ja auch sonst schon sooo viel zu tun hat. Wahrlich Teufelskerle, diese Beamten.

Und tatsächlich – schon am Tag darauf bekamen wir Post. Im Schreiben stand dann folgendes:

Zwischenablage01

Wir staunten nicht schlecht. Dieser Volksheld hatte uns unverzüglich geantwortet. Mehr sogar – er hatte versucht, ein Telefonat zu führen. Spontan sogar! Allerdings konnte er niemanden erreichen. Und da kann der kleine Bürger, der selbst viel zu viel Zeit hat, natürlich nicht noch erwarten, dass sich weiterhin darum gekümmert wird. Wahrscheinlich kam den Kollegen vom Amt etwas wichtigeres dazwischen. Höchstwahrscheinlich die Frühstückspause oder das Mittagsschläfchen. Daher wahrscheinlich auch zahlreiche Satzbau- und Kommatafehler, die sich durch den kompletten Brief ziehen. Das können wir natürlich verstehen.

Danke trotzdem!

taz – ist nicht für jeden

Oktober 2, 2009 von Daniel Tubies

taz

Quelle: twitter.com/tazgezwitscher

Im ewigen Clinch zwischen taz und Bild, konnte die tageszeitung mal wieder einen Sieg gegen das große Boulevardblatt erringen. Vier Jahre lang durfte der eigens für die Zeitung produzierte Kino-Werbespot nicht ausgestrahlt werden – jetzt hat der Bundesgerichtshof entschieden. Laut taz.de sagte der Karlsruher Richter, dass die taz nur sagen wolle, dass sie eben nichts für den Massengeschmack sei. Und das ist richtig so.

Die Bild hatte 2005 per einstweiliger Verfügung den neuen Spot sofort sperren lassen, weil sie angeblich verächtlich gemacht werde. Ähnlich sah das 2007 das Oberlandesgericht in Hamburg. Davon ließ sich die taz allerdings nicht einschüchtern, ging erfolgreich in Revision und Springer muss jetzt die Verfahrenskosten bezahlen.

Da freut man sich als zufriedener taz-Leser natürlich besonders. Wer noch nie einen Blick in dieses freie, sarkastische und wichtige Blatt geworfen hat, dem empfehle ich dieses unverzüglich nachzuholen.

District 9

Oktober 1, 2009 von Daniel Tubies

District9

Etwas angestaubt präsentierte sich das Science-Fiction-Genre bisher in diesem Jahr. Lediglich der neue „Star Trek“ war kurzweilig und bot spaßige Unterhaltung. Vornehmlich musste man sich allerdings mit Titeln aus der Konserve, wie „Transformers 2″ oder „Terminator: Salvation“ herumschlagen. Umso erfreulicher ist es, dass es eine eher kleinere Produktion geschafft hat, die Science-Fiction wieder so zu präsentieren, wie man sie aus vergangenen Jahren kennt – spannend, dramatisch und gesellschaftskritisch.

Man muss seinen Hut vor Regisseur Neil Blokamp ziehen. Der 30-Jährige sollte eigentlich Microsofts Games-Flaggschiff „Halo“ verfilmen. Gute Wahl, hat Blomkamp doch bereits de Kurzfilm „Halo: Landfall“ erfolgreich inszeniert und ist selbst bekennender Fan. Schlecht sind allerdings die Verhandlungen zwischen Microsoft, sowie Universal Pictures und 20th Century Fox. Während Neil also munter tolle Modelle von Warthogs baute, ging es den Chefs aller Konzerne nur um eines – wie schlagen wir möglichst viel Profit aus dem Film und wie wird es verteilt. Dabei wollte natürlich jeder das größte Stück vom Kuchen abhaben. Nach einem ewigen Hin und Her, Budget-Kürzungen und Einschränkungen beim Dreh, wurde es Produzent Peter Jackson und dem talentierten Neil zu bunt. Sie taten das einzig richtige. Sie sprangen ab. Gott sei Dank! Denn weil Peter Jackson die Arbeiten von Blomkamp so gut gefielen, allem voran der Kurzfilm „Alive in Joburg“, zückte er kurzerhand sein Privatvermögen und ermöglichte seinem Freund – tada – „District 9″. Dieser wurde in den Staaten übrigens mal eben so zum Überraschungshit des Jahres. Microsoft und Entourage beißen sich wahrscheinlich immer noch gegenseitig in den Hintern. Und Neil streckt ihnen die Zunge raus.

Nun aber zum Film selbst. Im Jahr 1982 stoppt ein riesigen Raumschiff direkt über Johannesburg. Im Inneren befinden sich hunderttausende insektoide Außerirdische in einem gesundheitlich äußerst schlechten Zustand. Kurzerhand werden alle Außerirdische per Hubschrauber in einen Randbezirk der Stadt evakuiert. 20 Jahre später hat sich das Gros der Bevölkerung zwar mit den ungebetenen Besuchern arragniert, das explosionsartige Wachstum innerhalb der Resorts und sich häufende Übergriffe führen allerdings zu einer immer schlechteren Stimmung. Die Regierung muss Handeln um Ausschreitungen vorzubeugen und beauftragt das Privatunternehmen MNU mit der Überführung aller Aliens aus District 9 in ein provisorisch-eingerichtetes Lager außerhalb der Stadt. Während der Umsiedlung kommt MNU-Mitarbeiter Wikus van de Merwe mit Alien-DNA in Berührung und wird damit zum wichtigsten Gut für den Mega-Konzern, dem es in erster Linie um die überlegene Waffentechnologie der Außerirdischen geht. Wikus flieht. Und versteckt sich an jenem Ort, den er vorher so verabscheute – District 9.

Zu Anfang präsentiert sich der Film wie eine Dokumentation. Es werden Interviews von MNU-Mitarbeitern gezeigt und Wikus bei seinem Einsatz im Krisengebiet begleitet. Durch diesen Stil kommt „District 9″ sehr authentisch daher und auch wenn sich die Dokumentation später in einem schleichenden Prozess zu einem spannenden Spielfilm wandelt, ist es für den Zuschauer immer noch so, als würde ihm die Wirklichkeit vorgesetzt. Und das ist gut so. Denn während den knapp zwei Stunden wird den Menschen knallhart der Spiegel vorgehalten. In den ersten Szenen muss man noch darüber schmunzeln, wenn die Aliens abwertend Shrimps genannt und unwürdig behandelt werden. Der Klos im Hals wird allerdings mit zunehmenden Greueltaten größer und größer. Blomkamp zeigt mit seinem Sci-Fi-Kunststück soziale Missstände auf und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Die Quintessenz ist schließlich, dass es den Menschen nur um eines geht: Geld und Macht. Wie ironisch, kennt man die Hintergründe zur Halo-Verfilmung.

Schön ist auch, dass Blomkamp auf durchweg unbekannte Gesichter setzt, wordurch der Film nochmals an Intensität und Authenzität gewinnt. Toll auch die Wandlung Wikus van de Merwe’s vom unsympathischen Muttersöhnchen, dem totalen Anti-Helden, der seine Lage lange Zeit falsch deutet und egoistisch bleibt, bis er am Ende fast alles verloren hat. Erst dann begreift er und wird zum stillen Helden. Auch der dreckige Look des Genre-Kinos hebt diesen Streifen von den Monster-Blockbustern der letzten Monate ab – endlich. Zu viel Zeit ist seit Filmen wie „Blade Runner“, „Equilibrium“ oder auch „Matrix“ vergangen.

Der Mensch ist ein Tier. Grausam, egoistich und machtbesessen. So lautet die Diagnose von Neil Blomkamp und er liegt mit seiner Science-Fiction-Parabal dabei sehr nahe an der Realität. Fakt ist, dass während der Apartheid in Südafrika offener Rassismus und willkürliche Gewaltausübung an der Tagesordnung lagen. In den Townships von District Six, welches es wirklich gab, herrschten also identische Bedingungen. Und die Umsiedlung der Aliens in menschen-unwürdige Reservate erinnert stark an die Geschichte der Indianer, denen natürlich auch bessere Lebensbedingungen versprochen wurden, obwohl es den Kolonialherrschern nur um das neue Land ging. Die Geschichte wiederholt sich und das ist Grund genug, der Menschheit ab und an zu zeigen, was auf ihrem Planeten so vor sich geht. Denn Helden gibt es. Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Film, wie in der Realität. Danke, Neil Blomkamp – ein großartiger, wichtiger Film.